Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität (AFMS) hat in seiner 28. Sitzung die konjunkturelle Lage Liechtensteins im Kontext steigender geopolitischer Spannungen diskutiert. Die heimische Wirtschaft bleibt aufgrund schwacher internationaler Nachfrage sowie leicht rück-läufiger Beschäftigungs- und Exportzahlen verhalten.

Der Konflikt im Nahen Osten wird Liechtenstein erwartungsgemäss zwar nur indirekt betreffen, die Auswirkungen könnten jedoch über global höhere Energiepreise, eine schwächere externe Nachfrage sowie mögliche Störungen globaler Wertschöpfungsketten deutlich spürbar sein. Trotz dieses anspruchsvollen Umfelds präsentiert sich der liechtensteinische Finanzsektor weiterhin stabil, wenngleich die Risiken von Kurskorrekturen oder erhöhter Volatilität auf globaler Ebene weiterhin erhöht sind und adäquat berücksichtigt werden müssen. Der AFMS wird die Entwicklungen weiterhin sorgfältig beobachten, um die Stabilität des Finanzsystems nachhaltig zu gewährleisten.

AFMS diskutiert Empfehlungen aus der Artikel IV-Konsultation des IWF
Am vergangenen Freitag, 27. März, wurde der zweite Länderbericht zu Liechtenstein im Rahmen der Artikel IV-Konsultation des IWF publiziert. Der Bericht liefert eine vertiefte Analyse der liechtensteinischen Volkswirtschaft und basiert unter anderem auf Gesprächen mit verschiedenen Amtsstellen, der FMA, liechtensteinischen Forschungsinstitutionen, der
Privatwirtschaft sowie mehreren Finanzverbänden. Die Finanzstabilität war ein wichtiger Teil dieser Gespräche, auf deren Basis der IWF im Bericht detaillierte Analysen liefert und Anregungen einbringt. Insbesondere gibt der IWF dabei Impulse zur weiteren Stärkung der hohen Resilienz des liechtensteinischen Banken- und Finanzsektors, welche der AFMS in den nächsten Monaten vertieft prüfen wird. Zudem empfiehlt der IWF die weitere
Fokussierung der Analyse und Aufsichtstätigkeit der FMA, etwa durch eine noch robustere Systemrisikoanalyse, um die Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen Bereichen des Finanzsektors besser zu verstehen. Als zentral erachtet der IWF auch den Ausbau der makroökonomischen Daten zu Liechtenstein, um die Transparenz zu erhöhen, Risiken frühzeitig zu erkennen und zeitnah politische Massnahmen ergreifen zu können. Der von der Regierung beschlossene und laufende Ausbau dieser Daten wird auch für den AFMS in der Gewährung der Finanzstabilität wichtig sein. Im Bereich der Staatsfinanzen betont der IWF schliesslich die Bedeutung einer vorausschauenden und flexibel ausgestalteten staatlichen Haushaltspolitik, die den nötigen Spielraum erhält, um in einem volatilen Umfeld rasch und zielgerichtet auf mögliche Schocks zu reagieren und auch so die Finanzstabilität zu bewahren.

Antizyklischer Kapitalpuffer unverändert bei 0%
Vor dem Hintergrund der anhaltend negativen Kreditlücke sowie weiterer makro-ökonomischer Indikatoren empfiehlt der AFMS, den antizyklischen Kapitalpuffer (AZKP) weiterhin bei 0 % des Gesamtrisikobetrags zu belassen. Die Verschuldung des nicht-finanziellen privaten Sektors liegt nach wie vor unter dem langfristigen Trend, sodass derzeit keine Anzeichen für ein überdurchschnittliches Kreditwachstum bestehen. Auch die zusätzlichen zyklischen Indikatoren, die der AFMS bei der Beurteilung des AZKP berück-sichtigt, weisen aktuell nicht auf zunehmende Ungleichgewichte im Finanzsystem hin.

Informationen zum AFMS
Der Ausschuss für Finanzmarktstabilität ist das zentrale Gremium der makroprudenziellen Aufsicht in Liechtenstein. Seine Aufgabe besteht darin, den identifizierten Systemrisiken mit effizienten makroprudenziellen Instrumenten, Empfehlungen und Risikohinweisen entge-genzuwirken, um die Finanzmarktstabilität in Liechtenstein zu stärken. Die Mitglieder des AFMS werden von der FMA sowie dem Ministerium für Präsidiales und Finanzen in den
Ausschuss entsendet.