In Liechtenstein ist das Landesspital ein Dauerthema wie das Wetter: kapriziös und wechselhaft. Wie über das Wetter und das Landesspital geredet wird, ist selten schön. Als Gesprächsthema bevorzugt werden Sauwetter bzw. das Schlamassel rund ums Landesspital. Wettervorhersagen und Spitalplanungen sind in Liechtenstein vergleichbar, wobei viele geneigt sind, die Wetterprognosen für beständiger zu halten als die Planungen, die bisher, vor allem aber in den letzten zehn Jahrzehnten der turbulenten Geschichte des Landesspitals kaum «verhebt» haben.
Das Landesspital, wie es heute bekannt ist, ist vor gut 100 Jahren, also Anfang der 1920er-Jahre, entstand. Die Prognosen waren denkbar schlecht, nachdem der Landtag 1919 den Bau eines Krankenhauses auf Dux in Schaan abgelehnt hatte. Fürst Johann II. hatte zwar an Weihnachten 1918 angeboten, die Kosten für ein «landschaftliches Krankenhaus mit einem Belegraum von zwanzig Betten samt Einrichtung» zu übernehmen, doch der Bauplatz gab zu reden, und schliesslich machte die Geldentwertung am Ende des Ersten Weltkriegs das Bauvorhaben zunichte. Geld und Standort waren und blieben bis heute Konstanten in den Diskussionen rund ums Landesspital.
Erfreuliche Veränderungen trotz widriger Umstände
Unverzagt und «in aller Stille» umging der damalige Landesphysikus Felix Batliner das politische Gezänk und begann, Teile des 1892 erbauten Vaduzer Bürgerheims zur Krankenabteilung bzw. Geburtshilfestation umzufunktionieren, obwohl die Prognosen für ein neues Landesspital um 1920 mindestens so schlecht waren wie das Wetter. 1921 und 1922 lagen die Temperaturen unter dem jährlichen Durchschnitt. Im Jahr 1923 war die Witterung besonders mies, der Juni 1923 gilt bis heute als «Anti-Sommer», er soll extrem kalt und nass gewesen sein.
Wenigstens kamen die neuen Einrichtungen im Vaduzer Bürgerheim bei der Bevölkerung gut an. Ein Coup gelang Felix Batliner 1925, als auf seine Veranlassung hin eine erste Röntgenapparatur in Betrieb genommen wurde. Ab 1933 entwickelten die landesweit bekannten und angesehenen Ärzte Otto Schädler und Martin Risch das «Bürgerheim-Spital», wie es damals genannt wurde, erfolgreich weiter. Laut eines Zeitungsinserats ordinierte 1934 «im Landesspital Vaduz jeden zweiten Donnerstag ein österreichischer Facharzt für Augenheilkunde bei Augenerkrankungen und Augenoperationen sowie zur Brillenbestimmung». Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Dr. Rudolf Rheinberger «als erster Liechtensteiner neben der ärztlichen Allgemeinpraxis eine ausgedehnte chirurgische Tätigkeit am Spital Vaduz auf», wie er bei der Eröffnung des neu erbauten Krankenhauses 1981 berichtete, und Landesphysikus Dr. Martin Risch sorgte dafür, dass in den Bürgerheimen von Triesen und Eschen zur Entlastung der Gebärstation in Vaduz «vorbildliche Geburtsabteilungen» eingerichtet wurden.
Politische Stürme verursachen «politische Beschwerden»
Die Liechtensteiner erfreuten sich immer mehr an «ihrem» Spital. Ihr Vertrauen in die Institution stieg, wurde dann aber wieder enttäuscht. Heftige Böen begannen durch die Politik zu pfeifen. 1956 nahm der Landtag den 50. Geburtstag von Fürst Franz-Josef II. zum Anlass, in einer Resolution zu versprechen, sich der Spitalfrage anzunehmen. In Anlehnung an den bayrischen Komiker Karl Valentin hätte der Landtag auch mitteilen können, er hätte schon wollen mögen, aber dürfen habe er sich nicht getraut. Seine Resolution erwies sich als gar nicht so resolut, denn erst nach langem Zaudern, (gesundheits-)politischem Hickhack und zögerlichem Planen konnte das neue Vaduzer Krankenhaus 25 Jahre später präzis zum 75. Geburtstag des Landesfürsten eröffnet werden.
1957, so schreibt Dr. Rudolf Rheinberger in seinem Bericht von 1981 zur Eröffnung des Vaduzer Krankenhauses, habe der Ärzteverein eine Spitalstudienkommission gebildet, welche «die Umrisse eines neuen Krankenhauskonzeptes an die Sanitätskommission zuhanden der Regierung» übermittelte. Von derselben Kommission sei der Regierung 1961 ein ausführliches Exposé über die ganze Krankenhausfrage vorgelegt worden: «Entscheidende Schritte der öffentlichen Hand folgten darauf aber nicht.» 1967 teilte die Landesspitalbau-Kommission mit, dass angesichts der bestehenden Situation wegen der zu erwartenden finanziellen Mehrbelastung die Errichtung eines Chefarztspitals in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Chefarztkrankenhäusern in Feldkirch und Grabs nicht sinnvoll sei. Liechtenstein solle in den nächsten Jahren – man rechnete bis zur Verwirklichung des Neubaus mit acht bis zehn Jahren – ein modernes Belegspital erhalten, «welches im Bedarfsfalle kurzfristig mit geringem Aufwand zu einem Chefarztspital umgewandelt» werden könne.
Politische Böen brachten in den 70er-Jahren die Kontroverse zum Auflodern. 1975 lautete die Frage «Zwei Krankenhäuser oder keines?» Die Gemeinde Vaduz hatte angekündigt, ein «Chronischkrankenspital» zu bauen, derweil um die Errichtung eines Landesspitals gerungen wurde. Der Landtagsabgeordnete Franz Beck (VU) zitierte Regierungschef Walter Kieber (FBP), der im November 1973 vor seiner Wahl zum Regierungschef (1974–1978) geschrieben hatte, zu einer «aktiven Gesundheitspolitik» gehöre «unzweifelhaft das liechtensteinische Landesspital mit Standort in Schaan». Noch 1977 wurde die Aussage Kiebers im Liechtensteiner Vaterland als «Zuckerbonbon» für die Wähler betitelt. Tatsächlich sei die Regierung aber nicht mehr bereit, das Projekt «Landesspital» weiterzuverfolgen, weil man sich von einem schweizerischen Gutachten habe überzeugen lassen, «dass ein Landesspital für Liechtenstein völlig überflüssig wäre». Die von der Gemeinde Vaduz beschlossene Renovierung und Erweiterung des Spitales mit Schwerpunkt für Chronisch- und Alterskranke «konkurrenziere» nun eindeutig das Landesspital. Der Landtagsabgeordnete Herbert Kindle (VU) sprach von echten «politischen Beschwerden», die zweifellos in beiden Parteien bestünden.

Vom Krankenhaus zum Landesspital
«Im Prinzip» wurde schliesslich, wie Dr. Rudolf Rheinberger 1981 festgehalten hatte, den Stimmbürgern 1977 das Exposé der Sanitätskommission von 1961 zur Abstimmung vorgelegt. Bereits im Juni 1977 entschieden die Vaduzer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in einer Gemeindeabstimmung, dass das bestehende Krankenhaus an
seinem Standort erneuert werde, und zwar unter Heranziehung der dafür vorhandenen Mittel aus dem gemeindeeigenen Spitalbaufonds. Bei der Volksabstimmung auf Landesebene handelte es sich um ein fakultatives Referendum, in dem die Stimmbürger über einen vom Landtag beschlossenen Verpflichtungskredit und somit für das Spitalkonzept entschieden.
Die Volksentscheidungen 1977 betonten also die Verbesserung des bestehenden Krankenhauses in Vaduz, um die spitalärztliche Versorgung und insbesondere die Pflege von Alters- und Langzeitkranken im Land zu sichern. Im Oktober 1981 wurde das erneuerte Krankenhaus schliesslich eröffnet.
Erst im Jahr 2000 wurde das Krankenhaus Vaduz per Gesetz von der Gemeinde Vaduz unter dem Namen «Liechtensteinisches Landesspital» in eine Stiftung überführt. Doch ein neuer Name macht noch kein Projekt besser. Nachdem in den Nullerjahren zahlreiche Gutachten, Expertisen eingeholt und Abklärungen getroffen wurden, stimmte der Landtag im Sommer 2011 einem Neubauprojekt am bestehenden Standort zu. Gegen den dazugehörigen Finanzbeschluss bzw. Verpflichtungskredit in der Höhe von 77 Millionen Franken zuzüglich 6 Millionen als Reserven ergriff ein Komitee namens «Üsers Spitol» das Referendum. In der darauffolgenden Volksabstimmung im Oktober 2011 lehnten die Liechtensteiner den Neubau des Landesspitals ab.
Damit war Liechtenstein schon 2011 etwa so weit wie heute, obwohl es dazwischen zwei Volksabstimmungen über einen Neubau an einem neuen Standort gegeben hat. Beide Male, 2019 und 2024, wurden Neubauprojekte gutgeheissen, obwohl Kritiker immer wieder auf konzeptionelle Mängel hinwiesen und den Standort am Rhein bei der Holzbrücke hinterfragten.
2019 wurden die Baukosten auf insgesamt 72,5 Millionen Franken berechnet, wovon die Gemeinde Vaduz 7 Millionen übernehmen würde. Somit konnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über einen Finanzbeschluss des Landtags von 65,5 Millionen Franken abstimmen. Im April 2022 konnten die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner den Medien entnehmen, dass für den Neubau des Landesspitals Mehrkosten von über 21,1 Millionen zu erwarten seien.
Das heisst, dass im Zuge der Konkretisierung des Neubauprojektes der zur Volksabstimmung vorgelegte Verpflichtungskredit um gut 30 Prozent überschritten wurde. Der 2019 zuständige Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini erklärte 2022, dass bereits zur Zeit der Abstimmung die «Schätzung der Baukosten einer Unsicherheit von +/- 15 Prozent unterlag». Die damalige Kostenermittlung sei nach bestem Wissen und Gewissen unter Beizug von erfahrenen Fachpersonen durchgeführt worden. Mehrkosten seien zu erwarten gewesen, «jedoch nicht in dieser Höhe».
Der Verweis auf «bestes Wissen und Gewissen» und «erfahrene Fachpersonen» war als schlechte Ausrede zu werten, weil bereits während des Abstimmungskampfes von Laien in Leserbriefen oder an öffentlichen Veranstaltungen darauf hingewiesen wurde, dass die Kostenberechnungen der Realität nicht standhalten würden, allein schon weil die Kosten für die Bereitstellung des Baugeländes, des Wille-Areals, nicht mit eingerechnet wurden. Erst im April 2022 bestätigte das zuständige Ministerium, dass die «Rahmenbedingungen auf dem Baugelände nun präziser ermittelt» worden seien.
Der zuständige Gesellschaftsminister Manuel Frick erklärte: «Als ich die Zahlen zum ersten Mal sah, erschrak ich auch.» Die neue Kostenberechnung habe er erst im März 2022 zu Gesicht bekommen. Kaum jemand konnte dies glauben. In der Öffentlichkeit wie auch im Landtag waren das Neubauprojekt und die damit einhergehenden Kosten immer wieder ein Thema.
Von 83 auf 72 Millionen und wieder zurück auf 93 Millionen
Politische Realität ist, dass die Politik sich wohl immer wieder überlegt, ob ein Projekt –
sei es ein Gesetz oder ein Bauvorhaben – machbar ist, ob es überhaupt «durchgebracht» werden kann. So ist erklärbar, warum 2019 ein Neubauprojekt für insgesamt 72,5Millionen Franken zur Abstimmung vorgelegt wurde, das über 10 Millionen günstiger werden sollte als das Projekt, das 2011 in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger durften also davon ausgehen, dass die Kosten für einen Spitalneubau zwischen 2011 und 2019 aus taktischen Gründen kosmetisch abgespeckt und von 83 Millionen auf 72,5 Millionen Franken reduziert wurden. Der Verpflichtungskredit, der dem Volk zur Abstimmung vorgelegt wurde, war völlig falsch. Er war weniger präzise als über den Daumen gepeilt.
Im Juni 2022 bestätigte denn auch ein «Audit» von externen Experten im Wesentlichen die Kritik der Projektgegner an der Kostenberechnung der «erfahrenen Fachpersonen» im Jahr 2019. Das vorliegende Projekt könne unmöglich innerhalb des vom Volk bewilligten Kredites realisiert werden.
Die Regierung verhängte einen Planungsunterbruch und überarbeitete das Projekt bis 2023. Der Landtag stimmte der Weiterverfolgung und Überarbeitung des bestehenden Projektes und 2024 einem entsprechenden Ergänzungskredit über gut 6 Millionen Franken zu. Ohne diesen Ergänzungskredit könne das 2019 beschlossene Projekt nicht umgesetzt werden und das Landesspital müsste weiterhin in der bestehenden, sanierungsbedürftigen Infrastruktur verbleiben, argumentierte die Regierung, nachdem das Referendum ergriffen worden war. In der Volksabstimmung vom Juni 2024 wurden die Finanzbeschlüsse des Landtags mit einer Mehrheit von 53,7 Prozent bestätigt. Somit wurde der Kredit für das Projekt auf etwas über 93 Millionen Franken erhöht.
Erheiternde Endlosschlaufen
Trotzdem wurde nicht mit dem Neubau des Landesspitals begonnen. Das Projekt weise gravierende Mängel auf, erkannte der ab Februar 2025 neu zuständige Gesundheitsminister und verfügte im September 2025 einen Projekt- und Planungsstopp, um das Vorhaben erneut im Detail überprüfen zu lassen. Man mag sich vorkommen wie im falschen Film, gefangen in einer Zeitschlaufe und gezwungen, dieselben Ereignisse immer wieder zu durchleben – wie der Wetteransager im Film «Und täglich grüsst das Murmeltier». Kann die Wiederkehr des Ewiggleichen eher erheitern als der «Murmeltiertag», der jährlich am 2. Februar stattfindet?
Jedenfalls berichtete das das «Liechtensteiner Vaterland», beim Neujahrsapéro des Landesspitals sei die Stimmung im Panoramarestaurant des Altbaus «fröhlich» gewesen. Ernüchtert von den Ende Januar und Februar 2026 bekannt gemachten Ergebnissen der Detailprüfung zeigte sich anscheinend nur Gesundheitsminister Schädler.
Man traute, so David Sele im «Vaterland», den Plänen, die die Vorgängerregierung hinterlassen hatte, nicht. Nach einer ersten Sichtung der Detailprüfung habe sich Gesundheitsminister Emanuel Schädler nun in seiner Skepsis bestätigt gefühlt: «Wir müssen heute sagen, dass es leider der richtige Schritt war, einen Stopp zu verhängen und die Grundlagen auf Qualität und Vollständigkeit zu prüfen», habe Schädler betont. Aus diffusen Befürchtungen seien nun belegte Fakten geworden, zitiert ihn das «Vaterland» weiter. Es gehe nicht mehr um vage Zweifel, sondern um konkrete technische Unzulänglichkeiten. «Jetzt ist belegt, wo Unvollständigkeiten sind und teilweise leider wirklich auch Mängel», habe der Minister erklärt.
Auf die Frage, wie es wie es zu dieser Diskrepanz zwischen politischem Versprechen und Realität habe kommen können, habe Schädler dies auf die hohe Komplexität des Spitalbaus und eine fehlerhafte Projektstruktur zurückgeführt. Es habe zu viele Filter zwischen den Fachleuten an der Front und den Entscheidungsträgern gegeben. «Wenn einem ständig eingeflüstert wird, alles sei in bester Ordnung, glaubt man dies irgendwann», wird Gesundheitsminister Schädler im «Vaterland» zitiert. Er selbst habe als Bürger bei der Abstimmung 2024 ebenfalls darauf vertraut, dass die Hausaufgaben gemacht worden seien. Das erinnert sehr an die Worte seines Vorgängers Manuel Frick, der 2022 erklärte, er sei ob der prognostizierten Kostenüberschreitungen erschrocken.
«So a Komedi»: Kapriolen ohne Ende
Wer in die Geschichte des Landesspitals zurückblickt, den verwundert nicht: Aus dem verhängten Stopp wurde kein Schritt nach vorne. Anstatt wie geplant im Frühjahr 2026 mit dem Neubau des Landesspitals zu beginnen, soll nun bis Herbst 2026 geklärt werden, ob die wesentlichen Projektmängel behoben werden können und ob das Budget ausreicht. Mit einem Baubeginn könne man zu etwa 50 Prozent im Frühjahr 2027 rechnen. Die Chancen, dass dann das Wetter in einem Jahr gut oder schlecht sein wird, stehen wohl auch etwa bei 50 zu 50. Grössere Chancen hat, wer darauf wettet, dass Liechtenstein auch 2031, also 50 Jahre nach der Eröffnung des Vaduzer Krankenhauses, des heutigen Landesspitals, kein neues haben wird.
Dementsprechend hat sich, was das Landesspital betrifft, die Stimmung im Land quasi wetterbedingt drastisch verschlechtert. Das Murmeltier geht zurück in den Bau und wartet, bis die Bedingungen stimmen, um aus dem Winterschlaf zu kriechen.
Derweil schlägt sich der Unmut über die politischen Kapriolen in Leserbriefen nieder. Manche fragen sich, ob Regierung und Landesverwaltung überhaupt die Erfahrung für einen erfolgreichen Spitalbau hätten. Oder warum das aktuelle Projekt nicht besser als Generalunternehmungsauftrag ausgeschrieben werde? Für einen echten Neuanfang müsse man zurück an den Start, fordern andere. Doch wo oder wann kam es zum Fehlstart? Zurück zum Armenhaus oder Bürgerheim, zurück zum Krankenhaus oder zum Landesspital um die Jahrtausendwende?
Das wäre eine Art «Back to the Future», damit Liechtenstein endlich vorwärts kommt. Die turbulente Geschichte des Landesspitals ist filmreif, jedenfalls reifer als das Projekt. «So a Komedi» ist das.


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