Es gibt mehrere Unterschiede zwischen einer SARON-Hypothek (Geldmarkthypothek) und einer Festhypothek (Kapitalmarkthypothek). Zum einen ist dies der Zinssatz der Hypothekarzinsen und zum anderen natürlich auch die Laufzeit. Beides wirkt sich auf die Finanzen des Hypothekarnehmers aus, wie uns unser Gesprächspartner
Alex Biedermann, Kreditberater bei der LGT Bank AG, Vaduz, erklärt.

Alex Biedermann, Kreditberater bei der LGT Bank AG in Vaduz

Herr Biedermann, können Sie bitte den Unterschied zwischen einer SARON-Hypo­thek und einer Festhypothek erklären?
Alex Biedermann: Bei einer Festhypothek wird ein fixer Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit zwischen zwei und zehn Jahren im Voraus fixiert. Hypothekarnehmer wissen dadurch genau, mit welchen Zinsen sie für die gewählte Laufzeit rechnen müssen. Diese Planungssicherheit ist wichtiger Vorteil von Festhypotheken. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Hypotheken während der Laufzeit nicht amortisiert werden können. Zudem kann auch ein Verkauf der Liegenschaft durch eine Festhypothek erschwert werden.

Bei einer SARON-Hypothek orientiert sich der Zinssatz am Geldmarktsatz SARON, wodurch er sich während der Laufzeit laufend verändern kann. In der Regel werden bei uns
SARON-Tranchen mit einer Laufzeit von einem Monat oder drei Monaten abgeschlossen. Dies mit einem sogenannten Rollover, was heisst, dass ohne Gegenweisung des Kunden die Tranchen automatisch um die jeweilige Laufzeit zum jeweils gültigen Zinssatz verlängert werden. Generell gilt: SARON-Hypotheken können durchaus interessant sein, wenn man ein gewisses Risiko von Zinserhöhungen tragen kann und will. Im Gegensatz zur Festhypothek ist man dabei nicht an lange Laufzeiten gebunden. Dies bietet höhere Flexibilität für allfällige Amortisationen.

Welche Art ist momentan günstiger?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten – das hängt von der aktuellen Zinskurve und der gewählten Laufzeit ab. SARON-Hypotheken waren in der Vergangenheit oft kurzfristig günstiger, während Festhypotheken mehr Planungssicherheit bieten. Wichtig ist daher eine sorgfältige Abwägung der Vor- und Nachteile beider Lösungen unter Berücksichtigung der persönlichen Lebenssituation.

Im Vergleich der letzten rund 15 bis 20 Jahre, wäre eine SARON-Hypothek durchaus die günstigste Finanzierungsvariante gewesen. Aber im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer, und wissen tut halt schliesslich niemand, wie sich das entwickeln kann und wird.

Kann ich während der Laufzeit von einer Hypothekenart zur anderen wechseln?
Wer eine SARON-Hypothek abgeschlossen hat, kann diese jeweils zum Ende der Laufzeit problemlos in eine andere Hypothek – zum Beispiel eine Festhypothek – umwandeln. Bei Festhypotheken geht das nicht, da der Betrag, die Laufzeit und der Zinssatz ja fixiert sind. Dadurch können bei einer vorzeitigen Auflösung hohe Vorfälligkeitskosten anfallen.

Für wen ist eine Festhypothek und für wen eine SARON-Hypothek geeignet und warum?
Auch diesbezüglich gibt es keine allgemeingültige Antwort. Generell eignet sich eine Festhypothek eher für Personen, die ihre Zinskosten langfristig planen möchten und Wert auf Stabilität legen. Eine SARON-Hypothek passt eher zu Kundinnen und Kunden, die Zinsänderungen akzeptieren können und von möglichen tieferen, kurzfristigen Zinsen profitieren wollen. Entscheidend ist die persönliche Risikoneigung.

Gibt es Unterschiede in der Flexibilität der Rückzahlungsmöglichkeiten?
Ja. Bei Lösungen wie der SARON-Hypothek gibt es oft flexiblere Anpassungs- oder Rückzahlungsmöglichkeiten. Bei Festhypotheken sind Laufzeit und Konditionen in der Regel verbindlich – Kreditbetrag, Laufzeit und Zinssatz sind fixiert. Im Beratungsgespräch zeigen wir unseren Kundinnen und Kunden die konkreten Optionen auf und suchen gemeinsam nach einer passenden Lösung.

Wie kann man sich gegen steigende Zinsen absichern?
Zum Beispiel, indem man einen Teil oder die gesamte Hypothek als Festhypothek mit einer passenden Laufzeit strukturiert. Manchmal bietet sich auch eine Kombination aus verschiedenen Laufzeiten oder Hypothekenarten an: je nach Situation lässt sich die gesamte Hypothek beispielsweise in eine SARON-Tranche und zwei verschiedene Festhypothekar-Tranchen aufsplitten. Die Entscheidung liegt schliesslich, wie immer, bei den Hypothekarnehmerinnen und -nehmern selbst. Wir als LGT unterstützen unsere Kundinnen und Kunden dabei, jene Lösung zu finden, die am besten zu ihrer finanziellen Situation und ihren individuellen Zielen passt.

Vielen Dank für das Interview.