Anfang 1986 nahm Liechtenstein diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl auf. Prinz Nikolaus wurde zum ersten Botschafter Liechtensteins im Vatikan ernannt. In den Beziehungen Liechtenstein-Vatikan gab es früher interessante Vorkommnisse. Im Ersten Weltkrieg sollte Liechtenstein dem Papst geschenkt werden, im Zweiten Weltkrieg gab es Pläne, den Heiligen Vater zu entführen – nach Liechtenstein.
Der Pastoralbesuch von Papst Johannes Paul II. am 8. September 1985 hatte auch Auswirkungen auf staatlicher Ebene. Bei den Vorbereitungen stellte sich als erschwerend heraus, dass es keine diplomatischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Liechtenstein gab. Regierung und Landtag waren sich nach dem Papstbesuch einig, diese Lücke zu füllen. Schon Anfang 1986 wurde Prinz Nikolaus zum ersten Botschafter Liechtensteins im Vatikan ernannt. Weil zwischen den beiden Ländern wenig diplomatische Arbeit zu erwarten war, wählte man das Modell eines nicht-residierenden Botschafters. Prinz Nikolaus war zu jener Zeit bereits offizieller Vertreter Liechtensteins beim Europarat in Strassburg.
Würdigung durch Papst Johannes Paul II.
Zur Überreichung des Beglaubigungsschreibens traf Botschafter Prinz Nikolaus mit Papst Johannes Paul II. im Vatikan zusammen. Der Heilige Vater würdigte in seiner Ansprache den diplomatischen Schritt Liechtensteins und führte aus: «Der Wunsch, das in der Verfassung grundgelegte enge und freundschaftliche Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Fürstentum Liechtenstein nun auch durch offizielle diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl zu ergänzen und weiterzuentwickeln, unterstreicht die Entschlossenheit der Verantwortlichen in Ihrem Land, fortan auch auf internationaler Ebene die staatlich-kirchliche Zusammenarbeit zu verstärken und im Bereich der Völkergemeinschaft einen wachsenden Beitrag zu leisten.»
Ähnlich hatte die Regierung in ihrem Antrag an den Landtag erklärt: «In Anbetracht des Fehlens jeglicher diplomatischer Beziehungen zum Heiligen Stuhl und im Hinblick darauf, dass Liechtenstein ein überwiegend katholischer Staat ist, kommt der Errichtung einer diplomatischen Vertretung ein besonderer Stellenwert zu.» Die Regierung unterstrich auch, dass die römisch-katholische Kirche gemäss Verfassung die Landeskirche Liechtensteins sei. Die Beziehungen zum Vatikan erhielten mit der Errichtung einer Botschaft nun einen völkerrechtlichen Rahmen. Die Regierung wies im Bericht an den Landtag auch auf eine Besonderheit im diplomatischen Bereich hin. In den meisten Ländern vertritt die Schweiz laut einem Notenwechsel aus dem Jahr 1919 die Interessen Liechtensteins. Dieses Modell konnte beim Vatikan nicht angewendet werden, weil die Schweiz bis dahin keine Botschaft beim Heiligen Stuhl eingerichtet hatte. Im Unterschied dazu ist der Vatikan mit einer Botschaft in der Schweiz vertreten, wobei der diplomatische Vertreter, der päpstliche Nuntius, auch für Liechtenstein zuständig ist.
Von Prinz Nikolaus zu Prinz Stefan
Der Vatikan wird oft als Informationsdrehscheibe bezeichnet. Prinz Nikolaus erklärte in einem Interview, weshalb dies so ist. Machtpolitisch sei der Heilige Stuhl nicht mit einem Staat vergleichbar, aber weil die katholische Kirche praktisch auf der ganzen Welt vertreten sei, hätten die meisten Länder eine Botschaft im Vatikan eingerichtet. Ausserdem sei der Heilige Stuhl in vielen Organisationen und Institution, wie etwa bei der UNO, dem Europarat oder der OSZE, als Beobachter vertreten, was den Gedankenaustausch mit den päpstlichen Vertretern besonders interessant mache. Die guten Beziehungen zwischen dem Fürstenhaus und dem Heiligen Stuhl erklärte Prinz Nikolaus mit den traditionellen Beziehungen des Vatikans mit den katholischen Monarchien. Im Fall von Liechtenstein hätten sich diese guten Beziehungen erhalten, vor allem auch, weil der Vatikan für die Kleinstaaten ein besonderes Verständnis aufbringe. Nach der Errichtung des Erzbistums Vaduz, das 1997 für Überraschung bei den staatlichen Institutionen, in den kirchlichen Kreisen und in der Bevölkerung sorgte, wird diese positive Einschätzung allerdings nicht mehr generell geteilt.
Noch kein Nachfolger für Erzbischof Wolfgang Haas
Wie weit der Botschafter Liechtensteins beim Heiligen Stuhl in die Nachfolgeplanung nach dem Rücktritt von Erzbischof Wolfgang Haas eingebunden ist, wurde bisher nicht bekannt. Nicht-residierender Botschafter im Vatikan ist derzeit Prinz Stefan von Liechtenstein, der 2017 Prinz Nikolaus nach einer über 30-jährigen Tätigkeit in dieser Funktion ablöste. Es macht den Anschein, als ob der Heilige Stuhl keine Eile hätte, den Nachfolger für Erzbischof Haas zu ernennen. Der interimistisch als Administrator im Erzbistum eingesetzte Feldkircher Bischof Benno Elbs ist bereits über zwei Jahre im Amt. Wie Bischof Elbs in einem Interview mit dem «Liechtensteiner Vaterland» dazu sagte, sei er in keiner Weise in die Nachfolgeplanung eingebunden und kenne auch den Stand der Dinge nicht. Auf seine Nachfragen erhalte er jeweils zur Antwort: «Die zuständigen Stellen sind dran und versuchen, die beste Lösung für Liechtenstein zu finden.» Viele warten nun gespannt, wie der Nachfolger präsentiert wird, abgesehen davon natürlich, welche Persönlichkeit mit der Leitung des Erzbistums Vaduz betraut wird. Ähnlich tönt es im Rechenschaftsbericht der Regierung für das Jahr 2024. Prinz Stefan schreibt dort, bei mehreren Kontakten
mit Vertretern des Heiligen Stuhls habe er die positive Wirkung von Bischof Benno Elbs als Übergangslösung im Erzbistum zum Ausdruck gebracht. In die Entscheidungsfindung wurde der Botschafter aber offenbar nicht einbezogen, wie weiter aus dem Text hervorgeht: «Dennoch wurden verschiedene Gelegenheiten genutzt, um den Wunsch einer Entscheidung für eine gute Nachfolge im Sinn des Landes zu deponieren.»
Das Erzbistum wurde nicht zum «Herzbistum»
Nicht ausgeschlossen ist, dass es bei der Neubestellung des Erzbischofs wieder zu einer isolierten Handlung des Heiligen Stuhls kommen wird. Wie das bereits bei der Errichtung des Erzbistums Vaduz 1997 der Fall war. Zwar waren die Probleme im Bistum Chur mit dem damaligen Bischof Wolfgang Haas bekannt, ebenso der akute Handlungsbedarf für eine personelle Änderung. Dass aus dieser Personalie jedoch das Erzbistum Vaduz entstehen würde, damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Überraschung vor allem auch bei der Regierung, die von der Entscheidung zur Neugründung des Erzbistums erst durch Zufall erfahren hatte. Am 27. November 1997 ging nämlich ein ratsuchender Geistlicher durch das Regierungsgebäude, wo er zufällig auf Aussenministerin Andrea Willi traf. Der Apostolische Nuntius wollte eigentlich Fürst Hans-Adam II. treffen, der aber landesabwesend war. Andrea Willi vereinbarte mit dem Nuntius einen Termin und durfte einen Tag später einen Blick in das Dokument mit dem Vermerk «persönlich/streng vertraulich» werfen: Darin stand, Papst Johannes Paul II. habe entschieden, das personelle Problem im Bistum Chur mit der Erhebung Liechtensteins zum Erzbistum und mit der Ernennung von Bischof Wolfgang Haas zum ersten Erzbischof in Liechtenstein zu lösen. «Die Errichtung der Erzdiözese», stellte die Regierung resignierend in einem Bericht zu diesem Vorgang fest, «erfolgte ohne weitere Absprache mit irgendeiner liechtensteinischen staatlichen Stelle, sei dies der Landesfürst, die Regierung oder die liechtensteinische Botschaft beim Heiligen Stuhl.»
Zur Erinnerung: Auch der Landtag zeigte sich enttäuscht über das Vorgehen des Heiligen Stuhls und bezeichnete die «Missachtung der Souveränität des Fürstentums Liechtenstein als unakzeptabel». Die Regierung erhielt den Auftrag, dem Papst diese Erklärung umgehend zur Kenntnis zu bringen. Der Landtag kritisierte überdies, das Vorgehen des Heiligen Stuhls gefährde den religiösen und sozialen Frieden im Land in ernstzunehmender Art und Weise. Zumindest offiziell zeigte sich der Heilige Stuhl unbeeindruckt von diesen Protesten. Ebenso gab es keine Reaktion auf Proteste von enttäuschten Gläubigen. Wolfgang Haas als neuer Erzbischof versuchte in seiner ersten Predigt, die hochgehenden Wogen mit einem Wortspiel zu glätten: Der Papst habe ihn zum Erzbischof für Liechtenstein ernannt, für die Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner wolle er aber ein «Herzbischof» sein. Allerdings mit geringem Erfolg: Zu einem «Herzbistum» wurde Liechtenstein bisher nicht. Ebenso kam seither weder ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl zustande, noch konnte die Entflechtung von Kirche und Gemeinden abgeschlossen werden.

B 255/001/002, Urheber: Mari, Arturo / L’Osservatore Romano, Vatikanstadt; Quelle: Liechtensteinisches Landesarchiv Vaduz, 1986.01.27
Der Papst sollte 1943 nach Liechtenstein entführt werden
Die Errichtung des Erzbistums ist eine der kontrovers diskutierten Geschichten in den Beziehungen zwischen Liechtenstein und dem Heiligen Stuhl. Aber es gab schon früher Geschichten, die man kaum für möglich gehalten hätte. Eine eher bizarre Planung wurde 1943 in Deutschland ausgeheckt: Papst Pius XII. sollte von den Deutschen aus dem Vatikan entführt – und nach Liechtenstein gebracht werden. Geplant war die Besetzung des Vatikan-Radiosenders und der Raub der im Vatikan liegenden Kunstschätze, immerhin etwa 500’000 Bücher und 60’000 Bilder. Karl Wolff, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS, war offenbar von Hitler direkt mit dem Entführungsauftrag betraut worden. Nach seinen Angaben riet Wolff nach Vorbereitungen von dieser «Operation» ab und informierte gleichzeitig den Vatikan über eine geplante Entführung des Papstes. Nach einer Kosten-Nutzen-Analyse liess Nazi-Deutschland den Entführungsplan wieder fallen, die Entführung des Papstes über Südtirol nach München ins neutrale Fürstentum wurde abgesagt.
Eine ebenso kaum nachvollziehbare Geschichte ist der Plan aus dem Jahr 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, dem Papst das Fürstentum Liechtenstein zu schenken. Nach diesem Plan sollte das Oberhaupt der katholischen Kirche ein souveränes Gebiet erhalten, nachdem Italien den Kirchenstaat mitten in Rom besetzt hatte. Liechtenstein wäre damit zum neuen Kirchenstaat geworden. Der damalige Fürst Johann II. war dem Plan nicht ganz abgeneigt, doch der nachmalige Fürst Franz I. verhielt sich ablehnend, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass die Liechtensteiner damit einverstanden wären. Der Plan konnte damit nicht verwirklicht werden. Und zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl kam es 1929 mit den Lateranverträgen zu einer Einigung: Die Kirche anerkannte Rom als Hauptstadt Italiens, während Italien dem Vatikan politische Unabhängigkeit und staatliche Souveränität zusicherte.





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