Leserbrief von Jo Schädler, Bendern
Wie die messerscharfe Klinge eines Schafottes hängt der demografische Wandel über allen westlichen Ländern. Schon in etwa zwanzig bis dreissig Jahren wird unsere Gesellschaft hoffnungslos überaltert sein. Auf zwei alte Pensionisten, welche dank den medizinischen Fortschritten bald 100 und mehr Jahre alt werden können, kommt nur noch ein Erwerbstätiger.
Ohne die Zuwanderung aus fernen Ländern wird das System schallend in sich zusammenbrechen. Und die Zuwanderer stammen zu grossen Teilen aus bildungsfernen Ländern, unterschiedlichster Kulturen, untereinander oft unversöhnlich verfeindet. Der Wunsch nach Fachkräften, der heute schon kaum zu erfüllen ist, generiert dereinst zum hilflosen Gejammer und selbst der Kalauer der kurzen Wege, kann uns nicht retten. Die gesteigerte Lebenserwartung wird uns, durch eine immer hochstehendere Medizin gewährt, welche gewaltige Geldsummen verschlingt. Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass sich die Krankenkassenbeiträge zusammen mit einem explodierenden Ärztemangel in den nächsten 20 Jahren verdoppeln werden. Was heute in der Medizin modern ist, ist schon morgen bereits veraltet.
Diesen Standard mitzuhalten, den es zu erfüllen gilt, ist für ein kleines Regionalspital unmöglich. Auch grosse Spitäler, von welchen wir sehr komfortabel umgeben sind, werden sich spezialisieren und laufend enorme Summen investieren müssen, um ihre Position halten und um die Erwartungen erfüllen zu können. Ein neues Landesspital, auch wenn der Bau noch so überlegt und zur Freude des Architekten gebaut wird, kann mit unseren, im Vergleich bescheidenen und vor den medizinischen Herausforderungen der Zukunft, geradezu läppischem Gesundheitsbudget nicht überleben.
Wir tun deshalb gut daran, die Spitalfrage, die ja noch gar nie richtig diskutiert wurde, grundsätzlich zu überdenken. Bis dahin und weit darüber genügt unser altes Spital an seinem jetzigen, idealen Standort, das sich auf kleine Blessuren und Eiterbeulen beschränken sollte, noch sehr lange.

