Die Erhebung zur psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern an Liechtensteins Ober- und Realschulen zeigt überwiegend positive Ergebnisse, macht aber auch Handlungsbedarf sichtbar. Die psychische Gesundheit hat gesamtgesellschaftlich in den letzten Jahren als Themenfeld zunehmend an Beachtung gewonnen. Psychische Beschwerden unter Jugendlichen sind eine Tatsache und haben erwiesenermassen einen negativen Einfluss auf das Lernen und das Erbringen von Leistung. Das Projekt zur systematischen Erhebung der psychischen Gesundheit der Schülerinnen und Schüler liefert erste Resultate.

Nach dem Pilotprojekt am Liechtensteinischen Gymnasium im Schuljahr 2023/24 startete 2024/25 eine dreijährige Pilotphase zur Erhebung der notwendigen Daten. Über das gesamte Projekt hinweg wird die Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) Daten über alle drei Zyklen des Liechtensteiner Lehrplanes hinweg erheben. Ziel ist die Identifikation von Handlungsbedarf und die Ableitung von Massnahmen zur Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.
Befragung mit zentralen Themenbereichen.

Im ersten Jahr der Pilotphase wurde der Zyklus 3 auf der Sekundarstufe I und der 6. Schulstufe untersucht, im laufenden Schuljahr wird das Projekt im Zyklus 2, den 3.-5. Primarklassen fortgesetzt. Im April 2025 wurden 872 Schülerinnen und Schüler (Rücklauf: 80%), 308 Eltern bzw. Erziehungsberechtigte (Rücklauf: 33%) sowie 109 Schulmitarbeitende – Schulleitungen, Lehrpersonen, Assistenzen und Schulsozialarbeitende (Rücklauf insgesamt: 57%) – an den acht Real- und Oberschulen befragt. Die anonymen Online-Befragungen umfassten zentrale Themenbereiche wie das schulische und psychische Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler, das Schul- und Klassenklima, Leistungsdruck und Stress, Mobbingerfahrungen, die Nutzung sozialer Medien sowie die vorhandenen Unterstützungsangebote an den Schulen.

Die Ergebnisse zeigen ein insgesamt positives Bild, machen aber auch auf Herausforderungen aufmerksam. 81% der Schülerinnen und Schüler sind mit ihrem Leben eher bis sehr zufrieden, 71% schätzen ihren Gesundheitszustand als gut bis ausgezeichnet ein, die Mehrheit berichtet von einer positiven Einstellung zur Schule und Freude am Lernen, was 78% der Eltern bestätigen. Freundschaften und familiäre Unterstützung sind wichtige Ressourcen, ebenso beurteilen ca. zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler die erhaltene Unterstützung durch Gespräche mit Lehrpersonen oder Schulsozialarbeitenden bei Problemen oder Fragen als hilfreich. Eine klare Mehrheit der Schülerinnen und Schüler sowie der Schulmitarbeitenden beurteilt das Schulklima positiv.

Jedoch zeigen die Ergebnisse auch Belastungen und Sorgen der Schülerinnen und Schüler auf. Knapp die Hälfte der Jugendlichen berichtet von niedergeschlagener Stimmung in den letzten zwei Wochen vor Befragungsbeginn, 37% von Schlafschwierigkeiten. Ein Fünftel erlebt hohen Stress, welcher aber nicht ausschliesslich durch die Schule bedingt sein muss. Auch Leistungsdruck ist ein zentrales Thema: 56% der Schülerinnen und Schüler glauben, dass in der Schule viel Arbeit und gute Leistungen erwartet werden, während 42% der Meinung sind, für eine gute Note sehr viel leisten zu müssen. Die grosse Mehrheit der Jugendlichen macht selten Mobbingerfahrungen, aber 17% geben an, mehrmals pro Monat oder häufiger ausgeschlossen zu werden. 10% wurden in den 12 Monaten vor der Befragung regelmässig von anderen Schülerinnen bzw. Schülern geschlagen oder herumgeschubst, 6% wurden bedroht. Auch die Nutzung sozialer Medien spielt bei der psychischen Gesundheit eine Rolle: 13% der Jugendlichen zeigen eine problematische Nutzung. Grundsätzlich zeigt sich, dass die männlichen Befragten bei allen Indikatoren zur psychischen Gesundheit positivere Werte aufweisen als die weiblichen – immer auf Schülerinnen und Schüler bezogen. Im gleichen Kontext erreichen ältere Schülerinnen und Schüler geringere Werte als jüngere, wobei dies geschlechtsunabhängig der Fall ist.

Empfehlungen zur Stärkung der psychischen Gesundheit

Obwohl die Mehrheit der Befragten die vorherrschende Situation an den Real- und Oberschulen als gut einschätzt, zeigen sich dennoch drei zentrale Entwicklungsfelder: die Gestaltung der Schule als gesunden Lern- und Arbeitsort, die Förderung der psychischen Gesundheit durch spezifische Massnahmen sowie der kompetente Umgang mit psychischen Problemen. Der vollständige Bericht der FHNW enthält detaillierte Empfehlungen, darunter Ansätze zur Stärkung des Schul- und Klassenklimas, zu Präventionsmassnahmen gegen Mobbing, zur Förderung sozialer Unterstützung und Partizipation sowie zu Strategien zur Stressbewältigung und Emotionsregulation. Zudem werden Vorschläge zur Sensibilisierung sowie zur Weiterentwicklung der Kompetenzen von Schulmitarbeitenden gemacht. Die Empfehlungen und Vorschläge der FHNW werden von einer schulamtsinternen Arbeitsgruppe aufgenommen, welche gemeinsam mit den Schulen gezielte Massnahmen planen und umsetzen wird.

Der gesamte Bericht ist online abrufbar: Pilotphase Psychische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler – Liechtensteinische Landesverwaltung.