Lehrreiche Expedition zu Schulen in Liechtenstein

Bild: Stefan Langenegger, Fachbereichsleiter Pädagogischer Support vom Schulamt, führte die Teilnehmenden von Schulhaus zu Schulhaus.

Eine «Schulsafari» machte sichtbar, was die Bildungslandschaft Liechtensteins so besonders macht: Jede Schule lebt ihr eigenes Profil. Im Rahmen der Schulautonomie haben sie eigenständige Ansätze entwickelt, die laufend überprüft und weitergedacht werden, um ihren Schülerinnen und Schülern optimale Lernbedingungen zu bieten.

Am Freitag, 6. März 2026, brach eine Gruppe aus Schulleitenden und Mitarbeitenden des Schulamts zur ersten vom Schulamt organisierten «Inklusionssafari» auf. Vier Schulen standen auf dem Programm – und mit ihnen eine beeindruckende Vielfalt an pädagogischen Ideen, Konzepten und Werkzeugen. Die Aufgabe der Teilnehmenden: genau hinsehen, Besonderheiten entdecken und überlegen, was sich für die eigene Schule adaptieren liesse. Nicht kopieren, sondern übertragen.

Kleinschule Planken: Wo Beziehung der wichtigste Lernstoff ist
Startpunkt war der Parkplatz vor den Weiterführenden Schulen Triesen. Von dort nahm ein Reisebus die Gruppe mit zur Kleinschule Planken. Schulleiter Mathias Marogg empfing die Gäste mit einem Einblick in die Philosophie seiner Schule – einer Schule, die bewusst klein, familiär und nahbar bleibt.
Seit Jahren setzt Planken auf selbstbestimmtes Lernen, auf Versuche, die Schule stetig weiterzuentwickeln, und auf enge Kooperationen mit pädagogischen Hochschulen in der Schweiz. «Wir denken Dinge gerne neu», sagte Marogg. «Kinder sollen gerne zu uns kommen. Wir begleiten sie individuell – schulisch wie persönlich.»
Hier ist Beziehung mehr als ein Schlagwort: Sie ist Erfolgsfaktor. Lehrpersonen verstehen sich nicht als reine Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter, die den Kindern Orientierung geben, ohne sie einzuengen.

 

Bild: Schulleiter Mathias Marogg gibt Einblick in die Philosophie der Kleinschule Planken.

 

Realschule Balzers: New School statt Old School
Weiter ging die Expedition zur Realschule Balzers, wo 15 Lehrpersonen 95 Jugendliche begleiten. «Wir haben hier 95 unterschiedliche Talente und Bedürfnisse», betonte Schulleiter Dominic Bont. Sein pädagogisches Leitmotiv stützt sich auf ein bekanntes afrikanisches Sprichwort: Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen. Und ebenso viele Hände und Herzen, um eine Schule gut zu führen.Balzers hat sich deutlich vom Lernen im Gleichschritt verabschiedet. «Old School behandelt alle gleich, aber nicht gerecht», sagte Bont. Unterschiede in Geschwindigkeit, Sprache, Vorwissen oder Interessen würden im traditionellen Modell kaum berücksichtigt. Inklusion hingegen nehme jede Person ernst und gebe ihr, was sie für ihren Lernweg brauche.
Wie das im Alltag aussieht, lässt sich beobachten: Lernateliers, projektbasierte «Talentstunden», der wöchentliche «Freiday» und regelmässige Lerncoachings schaffen vielfältige Wege zum Erfolg. Individuelles Tempo verhindert Über- wie Unterforderung, vielfältige Aufgaben stärken Motivation und Selbstwert und eine breite Methodenpalette fördert die soziale Integration.

Bild: New School statt Old School an der Realschule Balzers: Unterschiedliche Talente und Bedürfnisse stehen im Zentrum.

Gemeindeschulen Schaan: Lebenskompetenzen im Mittelpunkt
Dritte Station: die Gemeindeschulen Schaan. Schulleiter Philipp Dünser stellte zu Beginn das Schulsystem vor: ein System, das Übergänge bewusst erleichtert. Altersdurchmischtes Lernen ermöglicht einen fliessenden Wechsel von der Basisstufe in die Unter- und später in die Mittelstufe. «Ein Kind wird dort abgeholt, wo es steht», erklärte Dünser. Klassenwechsel bei Repetitionen oder beim Überspringen einer Stufe entfallen.
Wochenstrukturen geben Orientierung, Grundhaltungen wie «Beziehung pflegen», «Sicherheit spüren» oder «Fehler zulassen» werden von Anfang an eingeübt. Ein zentrales Element ist das Unterrichtsprogramm «Gemeinsam stark werden», welches Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt und ihre Lebenskompetenzen stärkt.
Bei schwierigen Situationen steht ein schulinternes Beratungsteam bereit, und zwar niederschwellig und unkompliziert erreichbar. Auf dem Pausenplatz sorgen wechselnde Bewegungs- und Spielangebote für Abwechslung: von Street Racket über Jonglieren bis Badminton. Und: In allen Klassen tagt regelmässig ein Klassenrat, der demokratisches Denken fördert und das Klassenklima stärkt.

Schulzentrum Triesen: Eine Lagune zum Krafttanken
Letzte Etappe der Safari war das Schulzentrum Triesen. David Büchel, Schulleiter der Sekundarstufe I in Triesen, führte in die neu geschaffene Schullagune ein – einen Rückzugs- und Unterstützungsraum für alle Schülerinnen und Schüler des Standorts in Triesen (Gemeindeschule, Ober- und Realschule).
Die Lagune bietet eine ruhige, geschützte Erweiterung des Lernraums. «Kinder werden nach individuellem Bedarf begleitet und in ihren Kompetenzen gestärkt», so Büchel. Wenn das Lernen im Klassenverband schwierig wird, können sie hier zur Ruhe kommen, reflektieren und mit neuen Lösungsansätzen in die Klasse zurückkehren.
Die erste Inklusionssafari zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und lebendig die Schulen in Liechtenstein arbeiten. Jede Schule setzt andere Schwerpunkte, doch überall ist spürbar: Beziehung, Individualisierung und echte Teilhabe stehen im Zentrum. Die Expedition machte sichtbar, wie viel Innovationskraft im System steckt und wie wertvoll der Blick über den eigenen Schulzaun sein kann. Lernen findet nicht nur in Klassenzimmern statt, sondern auch im Austausch miteinander. Genau das hat diese Safari eindrucksvoll bewiesen.