Der Triesenberger Tennisspieler Moritz Glauser peilt als nächstes die Top 100 in der Junioren-Weltrangliste an. Foto: : Michael Zanghellini

Das Liechtensteiner Tennis-Ausnahmetalent Moritz Glauser befindet sich weiter auf dem Vormarsch. Der 17-jährige Triesenberger peilt nun die Top 100 in der Junioren-Weltrangliste an, und schon Ende dieses Jahres oder zu Beginn des nächsten Jahres möchte er sein erstes Turnier Grand-Slam der Junioren bestreiten. Derzeit arbeitet Glauser noch mit dem Vorarlberger Ex-Profi Philipp Oswald zusammen, doch der nächste Schritt zur Weiterentwicklung steht bereits bevor.

Konkret ist noch nichts entschieden, aber aufgrund der in Liechtenstein für einen Tennisprofi eher schwierigen Rahmenbedingungen erwägt Moritz Glauser den Schritt in eine professionelle Tennisakademie im Ausland. Damit würde dann auch die Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Coach Philipp Oswald enden.

Fünf Fragen an Moritz Glauser

Moritz, du figurierst derzeit im internationalen Junioren-Ranking auf Position 260. Wo möchtest du am Ende dieses Jahres stehen?
Mein Ziel ist es, dass ich am Ende dieses Jahres unter den Top 100 der ITF U18-Juniorenweltrangliste stehe. Dafür gebe ich alles.

Was sind generell deine Ziele im Jahr 2026? Welche Turniere stehen im Vordergrund?
Meinen Fokus für das Jahr 2026 lege ich ganz klar auf mein Ranking, denn eine Top 100 Platzierung ist die Voraussetzung für die Qualifikation der Junioren Grand Slam-Turniere. Mein Ziel ist es, mit einer Top 100 Platzierung die Qualifikation für die Junioren Grand Slams zu schaffen. Um das zu erreichen, werde ich höhere Turnier-Kategorien spielen, daher stehen J100er-, J200er- und J300er-Turniere im Vordergrund.

Seit knapp anderthalb Jahren hast du mit Philipp Oswald einen professionellen Coach. Wie läuft die Zusammenarbeit und wo siehst du seine Stärken?
Die Zusammenarbeit läuft gut. Er bringt jahrelange Erfahrung von der ATP-Tour mit. Dieses Wissen ist für mich spannend und sehr wertvoll. Er weiss genau, worauf es auf höchstem Niveau ankommt. Das hilft mir sehr, das Spiel besser zu verstehen. Ausserdem haben wir intensiv an meiner Technik gearbeitet, und ich merke, wie viel konstanter und sicherer ich geworden bin. Trotz der guten Zusammenarbeit mit Philipp werde ich in absehbarer Zukunft einen professionelleren Weg einschlagen, um mich sportlich bestmöglich weiterzuentwickeln. Denn man kann ehrlich sagen, dass in Liechtenstein Strukturen und Rahmenbedingungen für eine Profikarriere leider nicht gegeben sind. Dieser nächste Schritt wird eventuell im Rahmen einer professionellen Tennisakademie erfolgen.

In welchen Bereichen siehst du bei dir noch Verbesserungspotenzial?
Bei meiner Rückhand und sicher auch im mentalen Bereich. Meine Rückhand ist stark, hat aber noch Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel, wenn ich im Match unter Druck stehe, wird sie manchmal unsicher oder zu passiv. Ich möchte konstanter werden und die Rückhand noch offensiver einsetzen, also mehr selbst Druck machen. Der Mentalbereich ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, denn dieser ist im Tennissport von grosser Bedeutung. Oftmals entscheidet der Kopf über ein ganzes Match. An meiner mentalen Stärke arbeite ich seit einiger Zeit, und ich konnte dadurch schon viel stabiler werden, besonders in engen Situationen während eines Matchs.

Wann wird für Dich die Teilnahme an einem Junioren-Grand-Slam-Turnier zum ernsthaften Thema?
Ein ernsthaftes Thema ist es schon länger, denn ich habe die Teilnahme an Junioren-Grand-Slams als mein grosses Ziel festgelegt. Zeitlich gesehen denke ich, dass es im Herbst 2026 oder dann ab Januar 2027 konkret werden kann.

Moritz Glauser zusammen mit seinem Noch-Coach Philipp Oswald vor einer Trainingseinheit in Triesenberg.

Fünf Fragen an Coach Philipp Oswald

Philipp, wo siehst du aktuell die Stärken von Moritz und wo hat er noch Defizite?
Moritz hat viele Stärken in den unterschiedlichsten Bereichen, die ihn auszeichnen. Tennisspezifisch hat er eine schnelle Hand, einen guten Zug in seinen Schlägen, und sein Grundlinien-Game ist schon sehr gut. Das hat er natürlich auch seiner physischen Stärke und seiner Beinarbeit zu verdanken, weil sein Speed und seine Explosivität schon aussergewöhnlich gut sind. Hinzu kommen noch sein Kampfgeist und die Fähigkeit, abzurufen, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht. Wenn wir über Defizite reden, würde ich es eher als Potenzial bezeichnen. Da hat er natürlich mit gerade mal 17 Jahren überall noch ein paar Prozente, die er rausholen kann. Grundsätzlich ist für mich sein grösstes Potenzial im Kopf – da steht er sich ab und zu selbst im Weg, wenn sein Perfektionismus und seine Ungeduld Überhand nehmen. Es fehlt ihm manchmal die nötige Lockerheit und natürlich Erfahrung.

Du betreust Moritz seit Sommer 2024. Wie hat er sich in dieser Zeit entwickelt?
Als Tennisspieler neigt man dazu, seine Entwicklung im Ranking zu bewerten. Für mich als ist das nicht so wichtig, sondern eher die Richtung, die Moritz eingeschlagen hat. Und da hat er sich in allen Bereichen stark entwickelt, weil er auch bereit war, an sich zu arbeiten. Seine Schläge haben sich allesamt verbessert. Er spielt jetzt mit viel mehr Variation und kann Punkte mit offensivem Tennis abschliessen. Er reflektiert Matches und Trainingseinheiten viel reifer als zu Beginn und kann Niederlagen sowie Tiefschläge, die dazugehören, viel besser verarbeiten.

Ganz realistisch betrachtet: Wie weit kann es für Moritz im Junioren-Ranking nach vorne kommen?
Da will ich ihm nur ungern ein Limit setzen oder eine Prognose abgeben, die auf sein Ranking basiert. Auf Englisch würde man sagen «sky is the limit» und so sehe ich das auch. Er muss die Erfahrungen jetzt auf der internationalen Tennisbühne machen, und dann wird man sehen, wie weit die Reise geht. Eine Tenniskarriere ist kein Sprint, sondern ein Marathon, bei dem man täglich hart für seinen Erfolg arbeiten muss und es keine Garantien gibt. Moritz hat es selbst in der Hand, aber ich traue ihm alles zu.

Wie würdest du Moritz als Sportler und als Mensch charakterisieren?
Ich würde ihn als ruhigen und bodenständigen Teenager beschreiben, der eher introvertiert ist und sich im Rampenlicht noch nicht so wohl fühlt. Er ist definitiv kein Angeber oder jemand, der grosse Töne spuckt, ganz im Gegenteil. Ihm fehlt sogar ab und zu dieses freche «Ich bin der Grösste»-Gen und die Selbstüberzeugung – das alles muss er sich hart erarbeiten, weil er immer sein grösster Kritiker sein wird. Er befindet sich mit seinen 17 Jahren wie jeder Teenager in einem Prozess, in dem er gerade dabei ist, seine Persönlichkeit zu entwickeln und die grosse weite Welt zu entdecken.

Ursprüngliches Ziel von Moritz war, unter die Top 100 in der Weltrangliste zu kommen. Wird er das schaffen?
Ich glaube, sein grösster Traum ist, es zu den Jugendbewerben der Grand-Slams zu schaffen. Für diesen Traum müsste er sogar ein bisschen besser denn als 100. im Ranking stehen. Ich traue ihm, wie schon gesagt, alles zu. Von seiner Leistungsfähigkeit und seinem Potenzial ist dieser Traum ein absolut realistisches Szenario. Ich würde mich sogar eher wundern, an was es denn gescheitert ist, wenn ich ihn nächstes Jahr nicht bei den Jugend-Slams im Draw finde.