Die Streichung der Buslinie 32 zwischen Schellenberg und Ruggell schlägt nach wie vor hohe Wellen. Mit einem Video der verwaisten Haltestelle inklusive Mitfahrbänkle ist der Landtagsabgeordnete Johannes Kaiser kürzlich in den Sozialen Medien viral gegangen. Die Schellenberger FL-Gemeinderätin Eva Maria Nicolussi-Vogt setzt sich sehr engagiert für die Reaktivierung der ÖV-Verbindung Schellenberg-Ruggell ein.
Die konkrete Streichung der Buslinie 32 zwischen Schellenberg und Ruggell ist mehr als eine technische Anpassung im Fahrplan. Sie ist ein politisches Signal und wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Mobilität und damit der öffentliche Verkehr in einem modernen Land einnehmen soll. Der gleichzeitige Ausbau der Linie 35 mag ein Fortschritt sein und ist sehr erfreulich, doch er darf nicht dazu führen, dass andernorts ein unverzichtbares Angebot verschwindet, nur weil es fahrplantechnisch zu kompliziert war diese Strecke mit einzubeziehen.
In der Argumentation zur Abschaffung wird vor allem mit Zahlen operiert. Diese rein quantitative Beurteilung lässt aber die eminente Bedeutung dieser Verbindung aussenvor. Es geht nicht nur um Auslastung, sondern um Willen, Verantwortung und Zukunftsdenken. Öffentlicher Verkehr ist Teil der Grundversorgung und Ausdruck von Haltung und Wertschätzung gegenüber der Bevölkerung.
Gerade kleinere Gemeinden haben Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse. Mobilität darf kein Privileg dichter besiedelter Orte sein. Für Berufstätige, Seniorinnen, Familien, Kinder, Menschen mit Beeinträchtigungen oder gesundheitlichen Einschränkungen ist die gesamte Linie 32 ein zentraler Bestandteil des Alltags. Die nächste Haltestelle ist 230 bis 400 Meter entfernt und nur über steile Wege erreichbar. Das ist nicht barrierefrei und für viele unzumutbar.
Barrierefreiheit ist kein Zusatzangebot, sondern ein Grundrecht. Mobilität ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe, den Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung, Arbeit und sozialem Leben. Fällt diese Verbindung weg, steigt der Druck – zum Beispiel auf Familien, wieder Elterntaxis einzusetzen. Mehr Autoverkehr widerspricht jedoch Klimazielen, Verkehrssicherheit und einer nachhaltigen Entwicklung.
Die Linie 32 wurde von Einwohnerinnen und Einwohnern von Mauren und Ruggell ebenfalls genutzt und würde jetzt eine attraktive Anbindung Richtung Feldkirch bieten. Andere Buslinien sind ausserhalb der Stosszeiten ebenfalls schwach frequentiert, werden aber nicht infrage gestellt. Das wirft die Frage nach Gleichbehandlung auf und verstärkt den Eindruck, dass im konkreten Fall ein Exempel statuiert wurde.
Ausserdem ist nicht nur zu beachten, welche momentan vorhandenen Qualitäten aufgegeben werden müssten, sondern was besagte Verbindung auch in Zukunft bieten kann. Gerade in Anbetracht des begonnenen Baus des SZU II und der Planung des neuen Pflegeheims St. Fridolin in Ruggell würde die Linie 32 weitere Relevanz als Schulweg und bequemere Anbindung erhalten.
Besonders problematisch ist die fehlende Einbindung der Gemeinde. Entscheidungen dieser Tragweite brauchen Dialog und Transparenz. Innerhalb kurzer Zeit haben 152 Menschen mit ihrer Unterschrift gezeigt, dass das Unverständnis gross ist und die Ablehnung breit getragen wird.
Mit der Streichung der Linie 32 zwischen Schellenberg und Ruggell sendet die LIEmobil beziehungsweise das Land ein falsches Signal an Gemeinden und Bevölkerung. Statt das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr zu stärken, wird es geschwächt. Mobilität war, ist und wird ein unabdingbarer Teil der vom Staat zu leistenden Daseinsvorsorge sein. Sie darf nicht zur Nebensache werden, sondern muss als Investition in soziale Gerechtigkeit, Lebensqualität und Zukunft verstanden werden.

