Palantir: Verlust der Datensouveränität & Privatsphäre

Leserbrief von Martin Wachter,
Mitteldorf 16, Vaduz 

Was für Gefahren bestehen für die Gesellschaft in Sachen Gesundheitsdaten über die Absichten die Palantir Technologies hegt?

Palantir verfolgt im Gesundheitsbereich das Ziel, sehr große, bislang fragmentierte Datenbestände zu integrieren und mit Analyse‑ und KI‑Werkzeugen auswertbar zu machen – Kritiker sehen darin erhebliche Gefahren für Datenschutz, Bürgerrechte, politische Machtkonzentration und gesellschaftliches Vertrauen.[1][2][3][4]

 

Zentrale Gefahren für die Gesellschaft

  • Massenhafte Konzentration sensibler Gesundheitsdaten
    Palantir betreibt bzw. unterstützt Plattformen, auf denen Millionen von Patientendaten in einer einzigen Infrastruktur zusammenlaufen (z.B. NHS Federated Data Platform im Vereinigten Königreich, CDC‑Datenplattform in den USA). Die Zusammenführung an einem Ort erhöht systemisch das Risiko von Missbrauch, Hacking, Profilbildung und “function creep” (Zweckausweitung über die ursprüngliche Gesundheitsversorgung hinaus).[2][3][4][1]
  • Intransparenz und unklare Zweckbindung
    In mehreren Fällen wurden Verträge und technische Details der Palantir‑Projekte nur teilweise oder stark geschwärzt veröffentlicht; NGOs und Ärzteverbände kritisieren, dass unklar bleibt, welche Daten genau verarbeitet werden, wer Zugriff hat und wofür sie in Zukunft genutzt werden dürfen. Damit wird es für Bürger und Kontrollinstanzen schwer, die Einhaltung von Zweckbindung, Datenminimierung und Löschkonzepten effektiv zu überprüfen.[5][6][4]
  • Kommerzialisierung und Re‑Use von Gesundheitsdaten
    Dokumente und Analysen von Bürgerrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass Plattformen wie die NHS‑FDP ausdrücklich darauf ausgelegt sind, Datensätze “offener” für Unternehmen und Forschung zu machen; es fehlen harte, dauerhaft bindende Zusagen, dass Daten nicht später zu kommerziellen oder behördlichen Zwecken (z.B. andere Ministerien) weiterverwendet werden. Kritiker warnen, dass Palantir durch die Analyse im Gesundheitsbereich zugleich seine proprietären Produkte trainiert und so auf Basis öffentlicher Gesundheitsdaten zusätzliche Gewinne generiert.[3][4][5]
  • Gefahr von Überwachung und Diskriminierung
    Bürgerrechtsorganisationen wie ACLU und Privacy International betonen, dass Palantir historisch eng mit Sicherheitsbehörden, Militär und Geheimdiensten zusammenarbeitet und bereits für Überwachungs‑ und Targeting‑Projekte eingesetzt wurde. Wird dieselbe Infrastruktur für Gesundheitsdaten genutzt, besteht das Risiko, dass Gesundheitsinformationen – direkt oder via abgeleitete Risikoprofile – für Überwachung, Migrations‑/Sozialbehörden oder Strafverfolgung nutzbar werden und damit zu Diskriminierung (z.B. nach Krankheiten, psychischen Diagnosen, genetischen Risiken) führen.[7][1][2][5]
  • Verlust von Vertrauen in Gesundheitswesen und Datennutzung
    Britische Ärzteverbände wie die BMA warnen, dass Patienten Informationen zurückhalten könnten, wenn sie befürchten, dass ein umstrittener privater Anbieter ihre Daten verarbeitet oder weiterverwendet. Ein Rückgang der Offenheit gegenüber Ärzten gefährdet die Versorgungsqualität und kann langfristig auch die Akzeptanz für sinnvolle, datengestützte Public‑Health‑Maßnahmen untergraben.[8][9][2][3]
  • Souveränität und Abhängigkeit des Staates
    Im NHS‑Kontext wird kritisiert, dass die operative Kontrolle über eine zentrale Infrastruktur mit Daten von ca. 67 Mio. Menschen bei einem US‑Unternehmen mit engen Verbindungen zu US‑Sicherheitsstrukturen liegt. Staaten laufen Gefahr, sich technologisch und organisatorisch von einem einzelnen Anbieter abhängig zu machen (Lock‑in‑Effekt), was die demokratische Steuerung und ggf. spätere Neuvergabe oder Re‑Kommunalisierung erschwert.[4][2]
  • Ethik und Wertkonflikte des Unternehmens
    Palantir ist parallel zu Gesundheitsprojekten an militärischen Anwendungen, Zielerfassungssystemen und Konflikten wie Gaza beteiligt; ärztliche Organisationen argumentieren, dass diese Geschäftsfelder mit den ethischen Grundsätzen der Medizin (Nichtschädigung, Menschenwürde) unvereinbar sind. Wenn ein solcher Akteur zentrale Gesundheitsdaten kontrolliert, stellt sich die Frage, ob seine Unternehmenswerte mit den gesellschaftlichen Erwartungen an Gesundheitsversorgung und Datenschutz kompatibel sind.[2][7]

Beispiel: NHS‑Datenplattform und CDC‑Kooperation

  • Im Vereinigten Königreich wurde Palantir mit einem Großauftrag (ca. 330 Mio. GBP) für die NHS‑Datenplattform betraut; Ärzte, NGOs und Kampagnen wie Foxglove und Privacy International kritisieren fehlende Transparenz, unklare Grenzen der Datennutzung und die Rolle Palantirs als “Gold‑Sponsor” von NHS‑Events.[10][3][5]
  • In den USA konsolidiert Palantir im Auftrag der CDC große Mengen an Krankheits‑ und Ausbruchsdaten; Bürgerrechtsgruppen warnen vor unrechtmäßiger Überwachung und Targeting von Personen auf Grundlage ihrer Gesundheitsinformationen.[1]

Politische und regulatorische Implikationen

  • Ohne strenge gesetzliche Zweckbindung, unabhängige Audits, technische Entkopplung von Sicherheits‑/Militärprojekten und starke demokratische Kontrolle besteht das Risiko, dass Gesundheitsdaten in einem sicherheits‑ und wirtschaftspolitischen Machtinstrument enden.[5][4]
  • Für demokratische Gesellschaften stellt sich damit weniger die Frage, ob Daten analysiert werden sollen, sondern ob ein sicherheitsnahe, hochkonzentrierte Datenmacht wie Palantir der richtige Träger für kritische Gesundheitsinfrastrukturen ist – oder ob öffentlich‑rechtliche/Non‑Profit‑Lösungen mit klarer Rechenschaftspflicht vorzuziehen sind.[4][2][5]

Wie nutzt Palantir Gesundheitsdaten für Militärzwecke

Es gibt bislang keine öffentlich belegten Fälle, in denen Palantir „offiziell“ Gesundheitsdaten direkt und deklariert für militärische Zielauswahl oder Gefechtsoperationen nutzt; problematisch ist vielmehr, dass dieselbe Daten‑ und KI‑Infrastruktur sowohl für Gesundheits‑ als auch für Militärzwecke eingesetzt wird und damit eine faktische Verschränkung ermöglicht.[16][17][18][19]

Getrennte Produktlinien – aber gemeinsame Infrastruktur

  • Palantir bewirbt Foundry als Plattform für u.a. Krankenhäuser, Gesundheitsministerien und Behörden wie HHS/CDC zur Auswertung von Gesundheitsdaten, Versorgungslogistik und Krankheitsüberwachung.[20][21][22][16]
  • Gleichzeitig nutzt das Militär Gotham, die „AI Platform“ (AIP) und Defence‑Speziallösungen (z.B. TITAN/Maven, NATO‑C2, US‑Armee‑Verträge) für Aufklärung, Einsatzplanung und Gefechtsführung.[23][17][24][25]
  • Analysen heben hervor, dass es sich um ein einheitliches Tech‑Stack‑Ökosystem handelt: dieselben Kerntechnologien für Datenintegration, Graph‑Analyse und KI‑Modelle, nur jeweils in unterschiedlichen Domänen (Gesundheit, Verteidigung, innere Sicherheit).[26][18][19][16]

Wie eine Kopplung von Gesundheits‑ und Militärdaten technisch möglich wird

  • Gotham ist darauf ausgelegt, Daten aus verschiedenen Behörden‑Silos zu verknüpfen und zu einem durchsuchbaren Netzwerk zusammenzuführen (Behörden, Polizei, Immigration, Public Health usw.).[18][19][26]
  • In den USA stehen Foundry‑Instanzen etwa bei HHS, NIH, CDC, FDA usw. bereit; ein HHS‑Rahmenvertrag erlaubt es mehreren Bundesstellen, dieselbe Plattform für verschiedene Zwecke zu nutzen.[22][20]
  • Kritische Forscher warnen, dass eine solche Architektur es – politischer Wille und Rechtsgrundlage vorausgesetzt – erleichtert, Gesundheitsdaten (oder daraus abgeleitete Risikoprofile) mit anderen Regierungsdaten zu verknüpfen, die bereits für nationale Sicherheit, Migration oder Strafverfolgung in Gotham laufen.[19][26][18]

Beispielhafte Szenarien, die in der Debatte genannt werden (nicht nachgewiesen, aber technisch naheliegend):

  • Nutzung von Krankheits‑, Impf‑ oder Aufenthaltsdaten aus öffentlichen Gesundheitsprogrammen, um Aufenthaltsorte, Bewegungsmuster oder „Gesundheitsrisikoprofile“ bestimmter Gruppen zu erstellen, die dann in Sicherheits‑ oder Migrationskontexten relevant werden könnten.[26][18][19]
  • Verknüpfung von Veteranen‑Gesundheitsdaten (VA nutzt Palantir u.a. für COVID‑Tracking und Ressourcenplanung) mit militärischen Personal‑ oder Einsatzdaten, um Einsatzfähigkeit, Re‑Deployments oder Risikoabschätzungen zu steuern.[27][17]

Strategische Verzahnung von Health und Defense im Geschäftsmodell

  • Finanz‑ und Branchenanalysen betonen, dass gerade die Kombination aus großen Gesundheits‑ und Verteidigungsverträgen als strategischer „Burggraben“ gesehen wird: dieselbe KI‑Plattform wird in beiden Sektoren zum Standard, Kunden werden strukturell abhängig.[17][28][16]
  • Für Palantir entsteht so ein geschlossener Daten‑ und Know‑how‑Kreislauf: Optimierung medizinischer Abläufe, Public‑Health‑Surveillance und gleichzeitig Ausbau militärischer Command‑and‑Control‑Systeme auf Basis der gleichen KI‑Komponenten.[25][16][17]

Warum NGOs und Forscher von militärischer Mitnutzung der Gesundheitsdaten sprechen

  • Kritiker verweisen darauf, dass Palantir als „surveillance and military technology firm“ charakterisiert wird und seine Hauptumsätze im Sicherheits‑ und Verteidigungsbereich erzielt, während es gleichzeitig zentrale nationale Gesundheitsdatenplattformen betreibt (z.B. NHS‑Vertrag, HHS/CDC‑Plattformen).[29][20][17][18]
  • Aus Sicht der Bürgerrechte besteht die Gefahr nicht primär in einem einzelnen „Skandalprojekt“, sondern darin, dass ein militärnaher Akteur technisch in der Lage ist, staatliche Gesundheits‑ und Sicherheitsdaten in einer gemeinsamen Infrastruktur zu halten, was künftige politische Zweckänderungen (z.B. in Krisen, Kriegen, Ausnahmezuständen) stark erleichtert.[18][19][26]

Fazit für Ihre eigentliche Frage

  • Direkt nachweisbar ist heute: Palantir nutzt seine Plattformen parallel für Gesundheits‑ und Militärprojekte, beide beruhen auf eng verwandter Technologie und teils innerhalb derselben Regierungsapparate.[20][16][17][22]
  • Der Schritt von „technischer Parallelität“ zu „faktischer Kopplung“ von Gesundheits‑ und Militärdaten hängt von Rechtsrahmen, Governance und politischem Willen ab; genau vor dieser strukturellen Möglichkeit warnen viele Forscher, NGOs und Ärzteverbände.[29][19][26][18]

  1. https://peacknews.com/privacy-concerns-arise-as-palantir-gathers-disease-data-at-the-c-d-c/
  2. https://599046384.r.worldcdn.net/Detail/2025/07/11/751000/US-company-Palantir-controlling-UK-health-data-raises-ethical-concerns
  3. https://labourhub.org.uk/2026/01/13/palantir-and-your-nhs-health-data-a-cause-for-concern/
  4. https://www.foxglove.org.uk/2023/11/20/nhs-contract-need-to-know/
  5. https://privacyinternational.org/press-release/3732/press-release-10-questions-palantir-privacy-organisations
  6. https://www.pulsetoday.co.uk/news/technology/nhs-england-to-face-legal-action-over-heavily-redacted-palantir-contract/
  7. https://www.bmj.com/content/390/bmj.r2054
  8. https://www.pulsetoday.co.uk/news/technology/palantir-accuses-bma-of-choosing-ideology-over-patient-interest-amid-nhs-data-row/
  9. https://www.theguardian.com/technology/2025/jul/08/palantir-technology-uk-doctors-patient-nhs-data
  10. https://corporatewatch.org/foi-requests-reveal-palantirs-nhs-fdp-rollout-failures/
  11. https://www.reddit.com/r/privacy/comments/1l66o6d/palantirs_collection_of_disease_data_at_cdc_stirs/
  12. https://www.business-humanrights.org/en/latest-news/usa-palantir-at-center-of-federal-data-integration-as-privacy-surveillance-concerns-grow/
  13. https://www.reddit.com/r/JordanPeterson/comments/1l6tjoj/palantirs_collection_of_disease_data_at_cdc_stirs/
  14. https://www.business-humanrights.org/en/latest-news/uk-palantir-company-allegedly-supporting-israels-war-on-gaza-awarded-nhs-data-contract-raising-concerns-over-patient-data-privacy/
  15. https://privacyinternational.org/long-read/3751/sort-trust-verify-palantir-responds-questions-about-its-work-nhs
  16. https://b2bdaily.com/it/how-palantirs-ai-and-big-data-innovations-empower-healthcare-and-defense/
  17. https://www.ainvest.com/news/palantir-defense-sector-alignment-strategic-fortress-fractured-world-2510/
  18. https://the-14.com/when-the-government-can-see-everything-how-one-company-palantir-is-mapping-the-nations-data/
  19. https://theconversation.com/when-the-government-can-see-everything-how-one-company-palantir-is-mapping-the-nations-data-263178
  20. https://fedscoop.com/hhs-palantir-platform-bpa/
  21. https://www.palantir.com/offerings/health/
  22. https://www.palantir.com/offerings/federal-health/
  23. https://www.youtube.com/watch?v=XEM5qz__HOU
  24. https://www.cnbc.com/2025/03/07/palantir-delivers-first-two-ai-enabled-systems-to-us-army.html
  25. https://www.ainewshub.org/post/palantir-s-ai-revolution-how-one-company-is-transforming-military-defense-from-silicon-valley-to-gl
  26. https://www.pclnews.com/editorial/37202
  27. https://fedscoop.com/palantir-data-contract-va/
  28. https://www.ainvest.com/news/palantir-ai-powered-surge-defense-healthcare-contracts-signal-long-term-dominance-2507/
  29. https://labourhub.org.uk/2026/01/13/palantir-and-your-nhs-health-data-a-cause-for-concern/
  30. https://www.unionsafety.eu/docs/HSNewsItems 2025/July/NHSPatientDataCompromisedByUSMilitaryAsPalantirBossBecomesEnrolledIntoUSArmy.html