Politische Querelen: Unerwünscht

Leserbrief von Norman Wille,
Buchenweg 1,  Vaduz

Eine vor kurzem neu eingereichte Initiative strebt eine Abänderung des Strafgesetzbuches an, um in Liechtenstein die Fristenlösung von Schwangerschaftsabbrüchen nach Schweizer Vorbild einzuführen. So sollen Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche künftig straffrei sein. 

Ein solch politisch brisantes Thema anzufassen, das ist so gar nicht nach dem Gusto unserer etablierten Parteien. Gut, es geht weniger um Politik als ums Prinzip. Es ist hinlänglich bekannt, dass das Fürstenhaus jedwede Art eines Schwangerschaftsabbruches grundsätzlich ablehnt. Das ist legitim, jeder darf sich seine eigene Meinung bilden. Ich glaube aber, es gibt in der Bevölkerung und in den Reihen unserer politischen Parteien durchaus Mehrheiten zu gewinnen, die eine Fristenlösung befürworten. Nur, du meine Güte, wie bitte soll man das dem Landesfürsten beibringen, ohne einen erneuten Eiertanz rund um die Thematik loszutreten. Nicht zuletzt sind vor allem die VU und die FBP die Bewahrer und Behüter des Status Quo. Nur die Ruhe bewahren, im Land. Nur keine schlafenden Hunde wecken. „Uns geht es gut, so soll es bleiben“. Ein Wahlslogan vergangener Tage, der bis heute seine Gültigkeit hat.

Nun, wir werden uns mit diesen Meinungsverschiedenheiten zwischen Parteien und Fürstenhaus auseinandersetzen müssen. Verpflichtende „Beratungen“ für die Schwangere erachte ich jedenfalls als eine vollkommen unangebrachte Einmischung des Gesetzgebers. Ich traue unseren Frauen durchaus zu, solche Entscheidungen selbständig und ohne Einmischung von aussen treffen zu können.

Persönlich danke ich dem Initiativkomitee, dass es mit seiner Initiative endlich wieder Bewegung in ein Thema bringt, das ein für allemal gelöst werden muss. Und zwar, anders wird es nicht gehen, als durch eine Volksabstimmung. Klar, den etablierten Parteien graut vor den bevorstehenden Querelen. Wir werden damit leben müssen. Und auch mit einem Resultat, das so akzeptiert werden muss, wie es fällt. Und zwar von allen „beteiligten Parteien.