Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Merz' klare und subtil gehaltene Eröffnungsrede sprach vielen aus dem Herzen. Foto: Picture Alliance, Frankfurt/Main
Der deutsche Bundeskanzler Merz geht auf Distanz zu den USA
Mehr als 60 Staats- und Regierungschefs werden beim wichtigsten Expertentreffen zur Sicherheitspolitik erwartet. Im Mittelpunkt steht der Umbruch der Weltordnung und die Krise in den transatlantischen Beziehungen. So stand das zerrüttete transatlantische Verhältnis im Mittelpunkt der Eröffnungsansprache des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz, der mit seiner Rede Aufsehen erregte und vielen aus der Seele sprach.
Er ist der erste aller europäischen Politiker, welcher auf subtile Art und doch klar und deutlich einen Wink über den Transatlantik in Richtung Weisses Haus gab. Konkret ging er auf Distanz zum langjährigen Verbündeten USA. Europa müsse sich aus seiner selbst verschuldeten Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten befreien und «eine neue transatlantische Partnerschaft begründen», sagte Merz.
Er sprach von einer wachsenden Entfremdung im Verhältnis zu den USA. Die transatlantische Partnerschaft habe „offenbar ihre Selbstverständlichkeit verloren, erst in den Vereinigten Staaten, dann auch hier in Europa und auch vermutlich hier im Saal“.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist deutlich auf Distanz zum langjährigen Verbündeten USA gegangen. Europa müsse sich aus seiner selbst verschuldeten Abhängigkeit von den USA befreien und „eine neue transatlantische Partnerschaft begründen“, sagte der CDU-Politiker.
Merz: „Tiefer Graben“ zwischen Europa und USA
Eine Alternative zur Neuausrichtung sieht der Kanzler nicht: „Dieser Aufbruch ist unter allen Umständen richtig“, sagte er. „Er ist richtig, falls sich die Vereinigten Staaten weiter entfernen. Er ist richtig, solange wir unsere Sicherheit nicht aus eigener Kraft gewährleisten können. Er ist schließlich richtig, um eine gesündere transatlantische Partnerschaft zu begründen.“
Die Verwerfungen im Verhältnis zu den USA wollte Merz, der sich selbst als überzeugten Transatlantiker sieht, in seiner Rede nicht beschönigen. „Zwischen Europa und den Vereinigten Staaten hat sich eine Kluft, ein tiefer Graben aufgetan“, sagte er. Hoffnung auf eine absehbare Verbesserung ließ Merz nicht erkennen.
Rede Rubios und grosse US-Delegation in München
Gespannt ist man auf die Rede des US-Aussenministers Rubio, der am Samstag um 9 Uhr eine Ansprache halten wird und der in diesem Jahr die amerikanische Delegation anführt. Zudem sind Dutzende Mitglieder des amerikanischen Kongresses nach München gereist, unter ihnen auch erklärte Gegner des amerikanischen Präsidenten Donald Trump aus den Reihen der Demokraten wie der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom und die Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. LIE-zeit-Redaktion.