Der Erziehungsansatz der Neuen Autorität verfolgt unter anderem das Ziel, Eltern und ihren Kindern das Leben durch einen respektvollen Umgang zu erleichtern. Die Neue Autorität hat aber auch das Berufsleben von Serafine Amstutz aus Balzers grundlegend verändert. Seit dem 1. Januar investiert die ehemalige Schulsozialarbeiterin noch mehr Zeit in die professionelle Begleitung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.
Es waren der Zufall und ein Flyer, die Serafine Amstutz dazu gebracht haben, beruflich im sozialen Bereich tätig zu werden. «Als ich meine KV-Lehre in der Landesverwaltung mit Berufsmatura abgeschlossen hatte, bekamen wir allerlei Informationsmaterial, welche Studienmöglichkeiten uns nun offenstehen. Vor allem warben Hochschulen mit Lehrgängen für Volkswirtschaftslehre oder Wirtschaftsinformatik. Dinge, die mich überhaupt nicht gereizt haben», sagt die heute 40-jährige Balznerin. «Dann war da aber noch ein einsamer Flyer der Fachhochschule St. Gallen, der für ein Studium der Sozialpädagogik warb. Da ich mich immer schon sehr für Menschen und ihr Wohlbefinden interessiert und das letzte halbe Jahr bei der Landesverwaltung zufällig im Amt für soziale Dienste gearbeitet habe, war mir sofort klar, dass genau dies das Richtige für mich ist.» So absolvierte sie von 2008 bis 2012 ihr Bachelorstudium. «Es dauerte etwas länger als die Regelstudienzeit, da ich 2011 Mutter einer Tochter geworden bin», sagt Serafine Amstutz.
Zuhören und Druck herausnehmen
Ihre Mutterschaft war auch der Grund dafür, dass Serafine Amstutz sich nach dem Studienabschluss für eine Teilzeitstelle beworben hat. «Meine Wahl fiel auf die Gemeinde Mels, wo ich in der offenen Jugendarbeit tätig war. Ich habe nur diese eine Bewerbung geschrieben und die Stelle prompt erhalten», sagt sie und schmunzelt. «Mein Ziel war es, die Jugendlichen dazu zu befähigen, ihre Freizeit selbst nach ihren Wünschen zu gestalten, statt darauf zu warten, dass jemand anderes ihnen diese Wünsche
erfüllt.» Den Job hat die damalige Jugendarbeiterin gern gemacht. Aber er war auch mit viel Büroarbeit verbunden. «Ausserdem wollte ich mein Wissen aus dem Studium irgendwann konkreter anwenden.» So bewarb sie sich auf eine Position als Schulsozialarbeiterin an den weiterführenden Schulen in Vaduz. «Dieses Mal habe ich die Stelle nicht sofort bekommen. Mein späterer Chef war der Ansicht, ich brauche zunächst mehr Erfahrung. So durfte ich eine Mutterschaftsvertretung an der Realschule Balzers machen. Einige Monate später wurde ich dann doch Schulsozialarbeiterin in Vaduz.»
Vorläufig war Serafine Amstutz angekommen. «Die Arbeit hat mir grossartig gefallen. In der Position als Schulsozialarbeiterin kann man einfach mal zuhören, Druck aus einer Situation nehmen. Man muss von den Kindern und Jugendlichen nichts verlangen. Ausserdem ist die Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrpersonen sehr abwechslungsreich. Ich habe methodisch unheimlich viel gelernt.» Das lag auch an den Weiterbildungen, die Serafine Amstutz regelmässig besucht hat. Und eine dieser Weiterbildungen war es, welche die junge Frau zur Neuen Autorität gebracht hat. «Ich hatte keine Ahnung, worum es dabei geht, aber meinem Chef war es wichtig, dass seine Mitarbeitenden sich Kenntnisse darüber aneignen. So habe ich mich eingelesen und war auf der Stelle fasziniert.» Im November 2021 begann schliesslich die Ausbildung, die das Leben von Serafine Amstutz verändern sollte.

Von Neuer Autorität und Übersinnlichem
«Der Ansatz der Neuen Autorität beschreibt eine Haltung von Führung durch Präsenz, Beziehung und innerer Klarheit statt durch Macht, Strafe oder Kontrolle. Das klingt zunächst sehr theoretisch», sagt Serafine Amstutz. «Weniger theoretisch bedeutet Neue Autorität, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen, emotional ansprechbar bleiben und trotzdem klare Grenzen setzen – aber nicht von oben herab, sondern verbindend und standhaft. Es geht darum, in herausfordernden Situationen ruhig, würdevoll und konsequent zu bleiben und Konflikte ohne Gewalt oder Drohungen zu lösen. Wer sich damit auseinandersetzt, gewinnt innere Sicherheit, stärkt Beziehungen und erlebt, dass echte Autorität aus Haltung, nicht aus Lautstärke entsteht.» Faszinierend war für Serafine Amstutz auch die Veränderung in ihrem eigenen Erziehungsverhalten, die sie nach der Ausbildung in Neuer Autorität beobachten konnte. «Meine Tochter und ich hatten immer ein gutes Verhältnis. Aber seither ist es nochmals deutlich entspannter geworden. Früher habe ich fast täglich geschimpft. Heute hat sich mein Schimpfpensum auf drei bis fünf Mal im Jahr reduziert», sagt sie und lächelt.
Die Begeisterung für Weiterbildungen war bei Serafine Amstutz nun noch mehr geweckt. Sie besuchte Kurse für den Einsatz von ätherischen Ölen, im Facereading, in der positiven Psychologie und noch in einigem mehr. Eine «Veränderung ihrer Weltsicht», wie sie es formuliert, erlebte sie dann bei der Ausbildung zur medialen Heilerin, die sie von September 2023 bis März 2024 absolvierte. «Ich habe einen Teil von mir wiedergefunden, von dem ich nicht einmal wusste, dass ich ihn verloren hatte und war fasziniert von der spirituellen Welt, die sich mir dadurch eröffnet hat», sagt sie. «In der Ausbildung haben wir uns mit allem beschäftigt, was man mit den fünf klassischen Sinnen nicht erfahren kann. Es ging darum, unsere Wahrnehmung für das Übersinnliche zu stärken. Beispielsweise bestand eine Übung darin, über einen persönlichen Gegenstand zu erfahren, was eine kaum bekannte Person bewegt. Ich habe unter anderem anhand eines Armbands gespürt, dass mein Gegenüber damit eine zerbrochene Freundschaft verbindet.» Serafine Amstutz wurde sich schnell bewusst, dass auch dieses Übersinnliche Einfluss auf die Erziehung hat. «Schliesslich beeinflussen persönliche Erlebnisse das eigene Verhalten stark.»
«Ich kann kein Kind reparieren, aber Beziehungen verbessern»
Das neu Erlente hatte ausserdem wiederum einen Einfluss auf das Leben von Serafine Amstutz. «Ich habe gemerkt, dass ich die Spiritualität in meinem Leben haben möchte. Beruflich weitermachen wie bisher hätte ich einfach nicht mehr können. Meine Arbeit bei der Schulsozialarbeit fühlte sich an wie ein Schuh, der nicht mehr passt.» So entschied sie sich, ihre Stelle zu kündigen, einen Job in Feldkirch anzunehmen – ebenfalls im sozialen Bereich, aber zeitlich deutlich flexibler – und sich mehr auf ihr Unternehmen «Pura Vida» zu konzentrieren, das sie vor zwei Jahren gegründet hat. «Jetzt, da ein paar Wochen vergangen sind, kann ich sagen, dass es der richtige Schritt war.»
Eines Tages möchte Serafine Amstutz sich ganz auf ihre Firma konzentrieren. «Dafür muss sie aber zunächst bekannter werden. Mein Ziel ist allerdings nur in zweiter Linie das Einkommen aus meinen Beratungen für Eltern, Kinder und Jugendliche. Ich möchte vor allem die Neue Autorität bekannter machen. Denn schon mit kleinen Veränderungen lässt sich in der Beziehung viel erreichen. Mir hat beispielsweise der Satz ‹Man soll das Eisen schmieden, wenn es kalt ist› sehr geholfen. Er begleitet mich bis heute. Er gibt mir die Freiheit, mich zu beruhigen und in Ruhe zu überlegen, wie ich reagiere, wenn etwas schief läuft – so kündige ich im Affekt nichts an, das ich sowieso nicht durchziehen werde oder sehr verletztend für meine Tochter wäre.» Ihr Wissen gibt Serafine Amstutz nun weiter – in Kursen und Seminaren für Eltern wie auch Schulen und weitere Organsiationen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sowie in persönlichen Begleitungen für Eltern und Kinder, eins zu eins gegenüber oder in Gruppen, offline wie auch online. Letzteres funktioniert über einen Messenger-Dienst. «Man kann mehrere Wochen buchen, bekommt dann immer wieder Sprachnachrichten und Videos und kann sich bei Fragen mit mir oder anderen Teilnehmenden kurzschliessen. Wichtig ist: Bei mir kann man kein Kind ‹reparieren› lassen. In der Beziehunggestaltung kann ich aber begleiten und unterstützen und auch Selbstvertrauen stärken, Ängste abbauen, emotionale Hilfe und Raum zur freien Entwicklung bieten. Genau das habe ich mir gewünscht – oder um es mit dem Slogan von Pura Vide zu sagen: ‹Lebe dein bestes Leben›.» Den Weg dorthin beschreitet Serafine Amstutz mit ihren Klientinnen und Klienten in einer Kombination aus praxiserprobten Ansätzen wie eben der Neuen Autorität und ihren energetisch-medialen Ansätzen. «Das ist es, was meine Arbeit von klassischen Erziehungsberatungen unterscheidet. Es ist so viel mehr als das.»





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