Leserbrief von Norman Wille, Buchenweg 1, Vaduz

 

Nein. Natürlich wird die Regierung die Schuldfrage nicht klären. Stattdessen werde ich über „technische Probleme“ aufgeklärt. Wir versuchen, ein „Landesspital“ zu bauen. Mit dem Bau sind wir von einem Landesspital noch meilenweit entfernt. Die allermeisten von uns kennen ein Spital von innen nur als Besucher und Gott sei Dank nicht als Patient.

Ärzte und Pflegepersonal kennen sich aus im Spital. Und es gibt noch eine dritte Gruppe, die immer wieder mitbekommt, wie komplex und aufwändig dieser ganze Apparat doch ist. Zumindest, wenn man ein guter Beobachter ist. Ich bin auch einer von diesen Menschen, die regelmässig auf medizinische Unterstützung angewiesen sind. Seit Jahrzehnten schon. Den Herzschlag eines Spitals, den spürt man nicht am Besuchernachmittag. Den Herzschlag, den nimmt man nachts wahr. In schlaflosen Nächten unterwegs durch alle Gänge und Wege, offenbart sich, was hinter den Kulissen alles laufen muss, nicht zuletzt in den ganz frühen Morgenstunden, wenn dieser Mikrokosmos erwacht.

Ein Spital ist kein Bauprojekt, an dem sich am Ende ein Trupp Verwaltungsangestellte ihren Fikus ins Büro stellt. Ein Spital ist ein logistisch extrem aufwendiger Betrieb, der inmitten von Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen, arbeiten muss. Menschen, die sich zwischen Hoffen und Bangen an ihren Grenzen bewegen, Menschen, die sich unsicher und nicht selten voller Angst auf ihre erste grosse Operation vorbereiten, Menschen, die ahnen, dass das für sie wohl der letzte Spitalaufenthalt sein wird. Und andere, die voller Freude darüber, endlich wieder aktiv am Leben teilhaben zu dürfen, das Spital verlassen. Menschen, die ihr kleines Bündel Leben freudestrahlend mit nach Hause nehmen, bereit für den Start ins grosse Abenteuer.

Ein „richtiges Spital“: Das ist das gesamte Leben im komprimierten Format. Das muss man können. Und ich befürchte, dafür wird es nicht reichen. Vielleicht reichts für eine bessere Notfallstation. Nur – die haben wir schon.