Schellenberg bietet Naherholung vor der Haustüre und möchte für alle Generationen gleichermassen attraktiv sein. Gemeindevorsteher Dietmar Lampert gibt im Gespräch viel Interessantes dazu preis, wie dieses Ziel erreicht werden soll.

 

Dietmar Lampert,
Gemeindevorsteher von Schellenberg

 

Herr Vorsteher, Entwicklungsprojekte erfreuen sich derzeit in den meisten Gemeinden Liechtensteins grosser Beliebtheit – so auch in Ihrer unter dem Titel «schellenberg – meine gemeinde – unser weg». Das Projekt ist im Jahr 2024 unter Einbezug der Bevölkerung gestartet. Wie ist es seither weitergegangen, was sind die nächsten Schritte und was erhoffen Sie sich vom Gesamtprozess?
Gemeindevorsteher Dietmar Lampert: Die Gemeinde Schellenberg hat im Jahr 2024 bewusst einen breit angelegten, partizipativen Prozess gestartet, um die langfristige Entwicklung der Gemeinde gemeinsam mit ihrer Bevölkerung zu gestalten. Ausgangspunkt bildete eine umfassende Einwohnerbefragung, an der über 50 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren teilgenommen haben. Diese hohe Beteiligung zeigt deutlich das grosse Interesse und das starke Engagement der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Befragung fielen differenziert aus: Einerseits wird die Lebensqualität in Schellenberg insgesamt als sehr hoch bewertet – insbesondere in Bezug auf Natur, Sicherheit, Gemeinschaft und Vereinsleben. Andererseits wurden auch klare Kritikpunkte und Verbesserungspotenziale benannt, unter anderem in den Bereichen Kommunikation und Transparenz, Verkehrssicherheit, Mobilität, Mobilfunkversorgung sowie bei Angeboten für Familien, Jugendliche und ältere Menschen.

Für uns war von Beginn an klar: Diese Rückmeldungen werden weder relativiert noch schöngeredet. Sie bilden die Grundlage für den weiteren Prozess. Entsprechend folgten auf die Befragung mehrere Mitmach-Plattformen, Workshops sowie eine öffentliche Informationsveranstaltung. Anlässe, an denen sich zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner aktiv eingebracht haben. Ziel war es, die Anliegen aus der Befragung gemeinsam zu vertiefen, zu priorisieren und daraus ein langfristiges Zukunftsbild für Schellenberg zu entwickeln. Ein zentrales Ergebnis dieses Prozesses ist eine gemeinsam erarbeitete Vision für die Gemeinde. Sie lautet:

 

Schellenberg ist eine
naturnahe und lebenswerte
Wohngemeinde. Wir leben eine
starke Gemeinschaft über alle Generationen hinweg.

 

Diese Vision bildet den übergeordneten Rahmen für die strategische Ausrichtung der Gemeinde und dient als Orientierung für zukünftige Entscheidungen. Das daraus abgeleitete Zukunftsbild beschreibt, in welche Richtung sich Schellenberg in den kommenden Jahren weiterentwickeln soll – in den vier Themenfeldern «Lebensräume und Gemeinschaft», «Familie und Bildung», «Wirtschaft und Infrastruktur» sowie «Natur und Freizeit». Das Zukunftsbild versteht sich nicht als starres Konzept, sondern als strategischer Orientierungsrahmen. Die Ergebnisse dieses gesamten Prozesses – inklusive Vision, Zukunftsbild, zentrale Ziele und Wege – werden bis Ende des ersten Quartals 2026 in Form einer Broschüre veröffentlicht und der Bevölkerung zugänglich gemacht. Diese Broschüre fasst den gemeinsamen Weg, die erarbeiteten Inhalte und die strategischen Leitlinien übersichtlich zusammen. Dem Gemeinderat ist bewusst, dass Vertrauen nicht durch Papier entsteht, sondern durch nachvollziehbares Handeln. Deshalb wird nun der Fokus auf der nächsten Phase liegen: der Priorisierung, Konkretisierung und schrittweisen Umsetzung der definierten Ziele. Auch dieser Schritt soll transparent erfolgen und, wo sinnvoll, unter Einbezug der Bevölkerung umgesetzt werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Prozess hat gezeigt, dass es in Schellenberg sowohl grosse Stärken als auch Anlass zu berechtigter Kritik gibt. Beides nehmen wir ernst. Unser Anspruch ist es, aus dem offenen Dialog zu lernen und die Gemeinde Schritt für Schritt gemeinsam weiterzuentwickeln.

Ein Thema mit Verbesserungspotenzial ist vermutlich die Verkehrsanbindung. Kürzlich hat die LIEmobil mit der Streichung der Linie 32 zwischen Schellenberg und Ruggell Schlagzeilen gemacht. Die Reaktionen reichten von «absolut verkraftbar» bis «sehr dramatisch». Wie gravierend sind die Auswirkungen tatsächlich und wie steht die Gemeinde zur Streichung der Verbindung?
Nachdem es den Verantwortlichen der LIEmobil «untergegangen» ist, die Gemeinde über die Streichung dieser Linie im Vorfeld zu informieren, fand ein Gespräch mit ebendiesen Verantwortlichen statt. Es gab aber keinerlei Einsicht seitens der LIEmobil, und es wurde in den Medien publiziert, dass die Gemeinde Schellenberg einen Ortsbus einführen soll. Die LIEmobil hat einen klaren Leistungsauftrag und erhält vom Staat ab 2026 insegsamt 18,45 Millionen Franken jährlich. Die Aussage, dass die Linie nicht rentiere, ist ein fadenscheiniges Argument, da wohl auch zahlreiche andere Linien im Land nicht rentabel sind. Zudem ist ein Ortsbus, abgesehen von der fehlenden Finanzierung, nicht für die Anbindung an die umliegenden Gemeinden geeignet. Ortsbusse in anderen Gemeinden sind für die Feinerschliessung und nicht für die Verbindung von Gemeinden im Einsatz. Bei einem weiteren Gespräch von mir als Gemeindevorsteher, dem Landtagsabgeordneten Johannes Kaiser und Gemeinderätin Eva-Maria Nicolussi Vogt mit dem zuständigen Regierungsrat Daniel Oehry, an dem die Vertreter der LIEmobil ebenfalls dabei waren, wurde eine von 152 Personen unterzeichnete Petition übergeben. Dies nahmen die Anwesenden zwar zur Kenntnis, zeigten sich aber unbeeindruckt und haben an ihrer Haltung festgehalten. Wir warten derzeit auf eine Stellungnahme der Regierung. Ich gehe aber davon aus, dass die Regierung den Handlungsbedarf erkannt hat, da sich 152 Personen für die Linie stark gemacht haben. Ich persönlich könnte mir auch die Einführung eines LIEmobil-Kleinbusses vorstellen, der Mauren mit Schellenberg und Ruggell verbindet. Ein Kleinbus hätte zudem den grossen Vorteil, dass im Bereich Loch/Kaiserstotz das Kreuzen viel einfacher wäre.

 

Der Gemeindeentwicklungsprozess hat gezeigt, dass es in Schellenberg sowohl grosse Stärken als auch Anlass zu berechtigter Kritik gibt. Beides nehmen wir ernst. Unser Anspruch ist es, aus dem offenen Dialog zu lernen und die Gemeinde Schritt für Schritt gemeinsam weiterzuentwickeln.

 

Ein Thema in Schellenberg war auch stets die schlechte Mobilfunkabdeckung. Seit Juli 2025 hat die Gemeinde eine neue Antenne. Wochen danach gab es aber immer noch Reklamationen, dass der Empfang schlecht sei. Woran lag es und wie ist der Empfang mittlerweile?
Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass die Gemeinde das Grundstück für den Bau der Mobilfunkantenne im Baurecht zur Verfügung gestellt hat, aber für den Betrieb und Unterhalt die Mobilfunkbetreiber – Salt Liechtenstein, Swisscom und FL1 – zuständig sind. Im Rahmen der Inbetriebnahme ist es aufgrund von Lieferschwierigkeiten einzelner Elemente zu Verzögerungen gekommen. Zwischenzeitlich
bieten alle drei Mobilfunkunternehmen auf dem Mast ihre Dienste an, und der Empfang sollte sichergestellt sein. Wenn dem nicht so ist, müssen sich Betroffene direkt an ihre Anbieter wenden.

 

 

Ein weiteres aktuelles Thema ist die bevorstehende zweite Etappe der Friedhofssanierung. Wie ist diesbezüglich der aktuelle Stand?
Ein Planungsbüro für Landschaftsarchitektur hat gemeinsam mit der Friedhofskommission ein Konzept zur Weiterentwicklung des Friedhofs erarbeitet. Dabei wurden verschiedene Anpassungen vorgeschlagen, die sowohl die Gestaltung der Urnengräber als auch die Platz- und Bepflanzungssituation betreffen. Der zunehmende Trend hin zu Urnenbestattungen soll durch attraktivere Bepflanzungen der bestehenden Urnengräber und die Möglichkeit zur Platzierung von Grabschmuck berücksichtigt werden. Zudem ist vorgesehen, neue Urnengräber anzubieten, die – ähnlich wie Erdbestattungsgräber – bepflanzt und mit einem Grabkreuz versehen werden können.

Im Bereich der Totenkapelle und des Gemeinschaftsgrabes wird das zentrale Kreuz in westliche Richtung versetzt und durch eine Betonmauer gestützt, wodurch eine neue Platzfläche entsteht. Ergänzend sind ein Gedenkort für Sternenkinder sowie eine Sitzgelegenheit vorgesehen. Die bestehende Thuja-Hecke wird vollständig entfernt. An ihrer Stelle soll talseitig eine Baum-Strauchhecke mit vorgelagerten Blütenstauden und Blumenrasen entstehen, ergänzt durch einen begrünten Absturzsicherungszaun. Auf der Südseite in Richtung Frauenkloster soll die Hecke durch eine abwechslungsreiche Kombination aus Eibe und Rotbuche ersetzt werden. Das Konzept wurde vom Gemeinderat genehmigt und zur Weiterbearbeitung freigegeben. Der Projektplan soll im Frühjahr 2026 der Bevölkerung vorgestellt werden, die Umsetzung der Sanierung ist für 2027 vorgesehen.

 

 

Die beiden ursprünglichen Wohnzonen wurden im Januar 2024 harmonisiert. Welche Auswirkungen sind bereits spürbar und wie sind die Rückmeldungen? Sind weitere weitreichende Anpassungen an der Bauordnung und am Zonenplan geplant?
Die Zusammenlegung der beiden bisherigen Wohnzonen zu einer einheitlichen Wohnzone erfolgte nach eingehender Prüfung. Die frühere Unterteilung war nicht überall klar nachvollziehbar und führte teilweise zu Unsicherheiten in der Planung. Mit der neuen Regelung soll das vorhandene Bauland effizienter und zweckmässiger genutzt werden können. Rückmeldungen aus der Bevölkerung haben gezeigt, dass die Anpassung positiv aufgenommen wurde. Dies bestätigt uns darin, dass die Zusammenlegung ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Siedlungsentwicklung ist. Weitere Anpassungen im Zonenplan und in der Bauordnung betreffen unter anderem die Einführung einer Kernzone im Zentrumsbereich der Gemeinde sowie die Übernahme der Gefahrenzonen gemäss Vorgaben des Amts für Bevölkerungsschutz. Zudem werden Erhaltungsbereiche für registrierte und geschützte Kulturgüter geschaffen. Ergänzend dazu sind verschiedene kleinere Anpassungen vorgesehen. Sämtliche Anpassungen werden der Bevölkerung im Frühjahr 2026 anlässlich einer Informationsveranstaltung vorgestellt.

 

 

Stichwort ausserhäusliche Kinderbetreuung: Die vom Landtag überwiesene Motion «Schule und Betreuung aus einer Hand» hat das Thema wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerufen. Wie ist die Situation in Schellenberg in Sachen Angebot und Nachfrage und welche Auswirkungen könnte die Motion auf Ihre Gemeinde haben?
Noch sind nicht alle Details bekannt. Aber das Schulamt bindet die Gemeinden sehr gut in den Umsetzungsprozess dieser Motion ein, was ich als vorbildlich erachte. Zahlen belegen, dass die Nachfrage an ein schulbegleitendes Betreuungsangebot steigend ist. Wir können uns diesem Trend nicht verschliessen, ohne dass die Attraktivität der Gemeinde signifikant beeinflusst wird. Diese Nachfrage zu stillen, wird für eine kleine Gemeinde sowohl finanziell als auch räumlich grosse Herausforderungen mit sich bringen. Es gilt nun abzuwarten, wie der Vernehmlassungsbericht ausgearbeitet wird. Ich erhoffe mir aber, dass auf die lokalen Gegebenheiten Rücksicht genommen wird und Synergien genutzt werden können.

 

 

Schellenberg wird dieses Jahr im Oktober Gastgemeinde am Unterländer Jahrmarkt in Eschen sein. Was ist geplant?
Ja, am Samstag, 10. Oktober 2026, sind wir Gastgemeinde am Unterländer Jahrmarkt. Wir werden ein abwechslungsreiches Programm mit zwei bis drei Marktständen und ein kulturelles Programm bieten. Zudem werden wir die Schönheiten der Gemeinde Schellenberg präsentieren.

Von der Zukunft sozusagen in die Vergangenheit: Die beiden Burgruinen als Schellenberger Wahrzeichen sind im Besitz des Historischen Vereins. Vor knapp einem Jahr erging die Anfrage an Land und/oder die Gemeinde, ob sie zu einer Übernahme bereit wären. Gibt es diesbezüglich Neuigkeiten?
Die Übernahme der beiden Burgruinen durch Gemeinde oder Land ist zwischenzeitlich kein Thema mehr, da kein klares Bekenntnis vom Historischen Verein Liechtenstein zur Abgabe der beiden Burgen vorliegt. Seit längerem wird an einer neuen Vereinbarung betreffend den Unterhalt und die Nutzung der beiden Burgruinen zwischen den Vertragspartnern Historischer Verein, Land Liechtenstein und Gemeinde Schellenberg gearbeitet. Hierzu muss in aller Deutlichkeit festgehalten werden, dass denkmalgeschützte Objekte von landesweitem Interesse, was die beiden Burgruinen sind, vom Land auch stärker finanziell unterstützt werden sollten. Selbstverständlich ist die Gemeinde Schellenberg bereit, sich an den Kosten zu beteiligen, aber das Land kann und soll sich nicht ganz aus der Verantwortung ziehen. Wir werden sehen, welche Lösung in den laufenden Gesprächen erarbeitet wird.

Und nun wieder mit Blick in die Zukunft: In einem Jahr sind bereits wieder Gemeindewahlen: Welche grösseren Aufgaben warten in dieser Zeit noch auf Sie und den Gemeinderat?
Es stehen einige kleinere und grössere Strassensanierungen an. Zudem wird der Spielplatz Atelier neugestaltet, und die Sanierung vom Fahrradweg im Schellenberger Riet ist ebenfalls budgetiert. Ausserdem wird im Riet eine Wasserfläche renaturiert. In den Gemeindeliegenschaften wird die Beleuchtung auf LED umgestellt, und neue Schliessanlagen müssen montiert werden. Grössere Projekte sind zudem die Finanzierung der landesweiten IT-Zusammenarbeit sowie der Investitionskostenbeiträge an die WLU und an den EZV.

 

 

Die Frage bietet sich zum Abschluss des Interviews an: Werden Sie erneut für das Amt des Gemeindevorstehers kandidieren?
Spannende Frage! Ich wäre jetzt nicht ganz ehrlich, wenn ich sagen würde «darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht». Selbstverständlich macht man sich Gedanken darüber, auch über den Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Entscheidung. Und genau diesen Zeitpunkt halte ich aktuell noch für zu früh. Ich werde mich noch vor den Sommerferien dazu äussern.