Das Doppelinterview mit den Geschwistern Raphael und Theresa Schreiber aus Schellenberg fokussiert auf ihr musikalisches Talent und die Relevanz von Vereinen – insbesondere der Jugendmusik des Musikvereins Cäcilia Schellenberg – sowie auf die Werte, die sie jungen Menschen mit auf ihren Lebensweg geben. Raphael ist 18 Jahre jung und geht in der 7. Klasse des Liechtensteinischen Gymnasiums, Theresa ist 14 Jahre jung und in der 3. Klasse der Sekundarschule der «Formatio».

Eine geliebte Beschäftigung von euch beiden ist das Musizieren. Wann und wie habt ihr angefangen und wie ging es weiter bis in die Jugendmusik?
Raphael: Angefangen hat meine musikalische Laufbahn in der 1. Klasse der Primarschule mit Klavierunterricht. Da die Familie meiner Mutter mit den Tambouren gross geworden ist, gibt es bei uns zu Hause Trommeln und ein Schlagzeug. Aus diesem Grund habe ich dann in der 4. Klasse Schlagzeugunterricht genommen. Sobald man Schlagzeugunterricht nimmt, bekommt man vom Musikverein eine Einladung zum Jungmusiklager. Ich war von Anfang an im Lager mit dabei, und das Musizieren in der Gruppe hat mir stets grosse Freude bereitet. In der Zwischenzeit bin ich nicht nur im Musikverein aktiv, sondern spiele auch in der Junior Brass Band Liechtenstein und im Jugendsinfonieorchester Liechtenstein.

Theresa: Ich wollte schon immer Querflöte spielen, da meine Tante dieses Instrument spielt und es mir sehr gefallen hat. Trotzdem wurde ich zuerst in den Klavierunterricht geschickt. Zusätzlich lernte ich dann auch Querflöte. Bei diesem Instrument blieb ich schliesslich. Ich spiele sehr gerne in der Gruppe mit anderen zusammen. Dies macht mir die Jungmusik möglich. Das Jungmusiklager ist immer das Highlight im Vereinsjahr.

Wie findet man sein Lieblingsinstrument?
Raphael: Mich hat meine Verwandtschaft zum Schlagzeug spielen gebracht. Meine Mama spielt Schlagzeug, meine Neni hat die Tambouren und die Rhythmusgruppe Liechtenstein gegründet, und mein Götti ist Schlagzeuger beim Sinfonieorchester St. Gallen sowie Professor an der Stella Musikhochschule in Feldkirch. Beim Schlagzeug fasziniert mich die Vielseitigkeit, und es wird nie langweilig. Schlagzeug spielen ist auch ein guter Ausgleich zur Schule und baut Stress ab.

Theresa: Für mich war das schon sehr früh einfach klar. Die Querflöte faszinierte mich einfach. Sie ist das schönste Instrument.

 

Leistungsabzeichen-Übergabe für Jungmusikantinnen und Jungmusikanten. V. l. Ralph Oehri (Präsident des Musikvereins Cäcilia Schellenberg), Raphael Schreiber (Silberabzeichen), Leonie Gassner (Juniorabzeichen) und Theresa Schreiber (Bronzeabzeichen). Herzliche Gratulation!

Ihr seid beide sehr talentierte Jungmusikanten. Im vergangenen Jahr seid ihr vom Liechtensteiner Blasmusikverband in der Jugendförderung mit besten Prädikaten ausgezeichnet worden. Erzählt bitte selbst davon und drüber, wie ihr dies erlebt habt?
Raphael: Ich habe das Leistungsabzeichen Silber mit sehr gutem Erfolg bestanden. Zuerst habe ich den theoretischen Kurs besucht und dort die Prüfung abgelegt. Dies ist obligatorisch, um zur praktischen Prüfung anzutreten. Bei der praktischen Prüfung musste ich je ein Lied am Drum-Set, an der kleinen Trommel, an der Kesselpauke und am Xylophon spielen. Diese Breite an Schlaginstrumenten macht die Prüfung zu einer Herausforderung. Jedoch ist diese Herausforderung mit Üben überwindbar. Das Spielen vor der Jury ist dann auch nochmal eine Herausforderung, da man weiss, dass man jetzt gut spielen muss. Bei der Verleihung des Silberabzeichens beim Verbandsmusikfest wird man üblicherweise aus dem Festzelt getragen. Dies war auch bei mir der Fall und ein grossartiges Gefühl. Man weiss dann, dass sich der Aufwand gelohnt und dass man einen Meilenstein erreicht hat.

Theresa: Ich habe das Leistungsabzeichen Bronze mit sehr gutem Erfolg bestanden. Dafür habe ich in Theorie und Praxis fleissig geübt. Zuerst findet die theoretische Prüfung statt. Wenn diese bestanden ist, darf die praktische Prüfung abgelegt werden. Das Spielen allein vor einer Jury war doch herausfordernd und brauchte Mut. Anschliessend ist es ein schönes Gefühl. Man spürt, dass man etwas Grossartiges erreicht und geschafft hat. Das Bronzeabzeichen wird am Verbandsmusikfest im vollem Festzelt überreicht. Das ist ein sehr schönes Gefühl, wenn die Menge applaudiert und die Auszeichnung überreicht wird. Ich freue mich schon, wenn ich dann zum ersten Mal mit der grossen Musik mitproben und mitspielen kann.

Was gefällt dir an der Jugendmusik in Schellenberg? Ist es die beste Jugendmusik im Land?
Raphael: Ich bin von Anfang an gerne in die Jungmusik gegangen und für mich ist sie die Beste! Man trifft Gleichaltrige und spielt moderne Stücke. Nun bin ich im Jungmusiklager schon Leiter. Es macht Freude, den Kindern das Schlagzeug spielen beizubringen. Mit den Kindern üben wir erste Rhythmustücke und auch schon Xylophon.

Theresa: Ja klar ist sie die beste Jungmusik im Land. Mit Patricia haben wir eine tolle Leiterin, die sich sehr für uns einsetzt, und unser neuer Dirigent macht es sehr gut.

Am vergangenen Wochenende führte der Musikverein Cäcilia Schellenberg im prallgefüllten Gemeindesaal ein ganz wunderbares Konzert auf. Mit dabei auch Raphael am Schlagzeug und Theresa an der Querflöte. Was ist das für ein Gefühl, bei den Grossen mitzuspielen – und das beim Hauptkonzert des Jahres?
Raphael: Für mich war es das dritte Passivkonzert, das ich mit den Grossen gespielt habe. Es ist jedes Jahr aufs Neue ein grossartiges Gefühl. Die Woche vor dem Konzert ist immer intensiv mit Proben, Saal dekorieren und Passiveinzug. Aber mit jeder Probe vergrössern sich die Vorfreude auf das Konzert und das Kribbeln.

Theresa: Die Jungmusik spielt immer zu Beginn des Abends, praktisch als Vorband. Wir machen den Auftakt. Es ist toll und ein unheimlich gutes Gefühl, vor vollem Haus zu spielen.

Jetzt machen wir einen grossen Sprung in ein anderes Thema. Meine Frage an euch: Welche Themen bewegen die Jugendlichen? Angenommen, ihr seid im Gemeinderat, im Landtag oder in der Regierung: Was würdet ihr einbringen, ändern oder initiieren?
Raphael: Da ich jetzt bald sieben Jahre am Gymnasium bin, frage ich mich: Wie soll unsere Bildung in Zukunft aussehen. Während der Corona-Schulschliessung wurde die Arbeitsweise an den Schulen in hohem Tempo digitalisiert. Am Anfang haben mir Regeln gefehlt, viele Schülerinnen und Schüler wurden von den vielfältigen Angeboten auf dem Laptop abgelenkt und verloren den Fokus. Diesbezügich würde es meiner Meinung nach Sinn ergeben, zu evaluieren, was gut ist und was man verbessern kann. Ich habe auch eine klare Meinung zum Thema Handy: Ich wünsche mir ein Handyverbot an den Schulen. Meine Generation sollte wieder mehr persönlich miteinander kommunizieren, da wir dies durch das Handy vernachlässigt und verlernt haben.

Theresa: Durch den Stau in Bendern verpasse ich mit dem Bus immer meinen Anschluss nach Schellenberg. Dort muss die Politik Lösungen finden, um die Situation zu verbessern. Ich finde es gut und wichtig, dass sich die Politik mit Zukunftstrends und -fragen beschäftigt. Aber sie soll bitte unsere Werte und Traditionen nicht vergessen und darum weiterhin Verbände und Vereine – wie zum Beispiel Musikvereine und Pfadfinder – unterstützen. Ich werde nächstes Jahr mit den Pfadfindern am Welt Jamboree in Polen teilnehmen, freue mich, dort unser Land zu vertreten und hoffentlich vielen neuen Freunden von unserem schönen Land zu erzählen.

Wie empfindest du das Mitbestimmungsrecht der Jugendlichen? Wird die Stimme der Jugend gehört? Kann man sich in die Gestaltung der Zukunft einbringen?
Raphael: Das Mitbestimmungsrecht der Jugendlichen ist eingeschränkt, da diese erst mit 18 wählen dürfen. Jedoch gibt es auch Angebote für Jugendliche, sich politisch zu engagieren. Die FBP, die VU und FL haben Jugendorganisationen, und es gibt den Jugendrat.

Theresa: Die Politik bietet für Jugendliche viele Möglichkeiten und Workshops für eine Mitgestaltung. Auch viele Politikerinnen und Politiker haben speziell für Jugendliche ein offenes Ohr. Darum werden alle Jugendlichen, die an Politik und Gestaltung der Zukunft interessiert sind, gehört und können mitarbeiten.

Danke – Raphael und Theresa – für dieses sehr interessante, musikbegeisterte und sympathische Gespräch.