Leserbrief von Norman Wille,
Buchenweg 1, Vaduz
Ich höre hier oft vom Schutz des ungeborenen Lebens. Dass wir uns überhaupt mit einer Abtreibung auseinandersetzen müssen, das ist – so muss man annehmen – das Ergebnis flatterhafter Frauen und verantwortungsloser Männer. Diesem Treiben muss also Einhalt geboten werden. Wir müssen schnellstens damit aufhören, ungeborenes Leben zu töten.
Nun, mit klaren Gedanken betrachtet, würde ich jetzt sagen, wenn wir mehr Effort dazu aufwenden würden, geborenes Leben zu schützen, dann ginge es vielen Kindern, auch in der Schweiz deutlich besser. Aber das ist Sache der Eltern. Das heisst also: das ungeborene Leben zu schützen, das ist Sache der schwadronierenden Allgemeinheit. Nicht richtig – ungeborenes Leben, das ist Sache der selbstbestimmten Frau. Das ist nichts, was die Zeigefinger-erhebende Restbevölkerung auch nur im Ansatz irgend etwas angeht. Es ist illegitim, wie wir uns anmassen, über den Körper und den freien Willen einer anderen Person entscheiden zu wollen. Wir haben hier längst jeden rationalen Boden verloren und befinden uns auf dem gefährlichen Grat der persönlichen Befindlichkeit.
Es ist, nüchtern betrachtet, exakt derselbe Boden, auf dem – unter anderem – die Hexenverbrennungen vor Jahrhunderten möglich geworden sind. Dabei meinten es alle „nur gut“. Wir sollten es alle etwas „weniger gut“ meinen und dafür die Persönlichkeitsrechte der Frauen respektieren. Da haperts nämlich ganz offensichtlich.
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