Das Schulamt organisierte am 25. Februar 2026 den 10. Pädagogischen Dialog, der ganz im Zeichen der «Kompetenzen für die Bildung der Zukunft» stand. Rund 150 Lehrpersonen, Schulleitungen und Mitarbeitende des Schulamts trafen sich im Ballenlager Vaduz (Spörry-Areal), um gemeinsam mit Gastreferent Roger Spindler die Frage zu erörtern, wie die Bildung von morgen gestaltet werden soll.
Der Pädagogische Dialog des Schulamts feierte im Beisein von Bildungsminister Daniel Oehry am vergangenen Mittwoch sein zehnjähriges Jubiläum. Seit der ersten Durchführung im Jahr 2016 verfolgt der Pädagogische Dialog ein klares Ziel: Pädagogische Herausforderungen gemeinsam beleuchten und Lehrpersonen sowie Schulleitungen in ihrer täglichen Arbeit stärken. Um dies zu erreichen, muss insbesondere auch der Blick in die Zukunft gerichtet werden.
Megatrends: Wissen ist Verbindung
Der diesjährige Referent Roger Spindler, Referent für das Frankfurter Zukunftsinstitut und Direktor der Schule für Gestaltung Bern und Biel, zeigte als ausgewiesener Experte für das Thema «Veränderungen und Entwicklungen im Bildungsbereich» die Konturen zukünftiger Bildung auf. In einem rasanten und höchst informativen Vortrag führte er den anwesenden Personen eindrücklich vor Augen, welche Megatrends die Bildung von morgen prägen werden. Megatrends seien «Lawinen in Zeitlupen», so Spindler. In diesem Kontext ging er beispielsweise auf den Megatrend «Wissenskultur» ein. «Wissen bedeutet zukünftig nicht mehr Macht, sondern Verbindung von Menschen», sagte er.
Wissen treibe gesellschaftlichen Fortschritt, wirtschaftlichen Erfolg und persönliche Entwicklung voran. Mit der digitalen Transformation, Künstlicher Intelligenz und der zunehmenden Vernetzung habe sich der Zugang zu Informationen massiv erweitert. Der Megatrend Wissenskultur beschreibe diesen Wandel und zeige, wie Wissen in einer global vernetzten Gesellschaft generiert, geteilt und genutzt werde. Doch Wissenskultur gehe über den reinen Erwerb von Informationen hinaus – sie umfasse die Art und Weise, wie Wissen entstehe, organisiert werde und soziale, wirtschaftliche sowie technologische Systeme beeinflusse. Zentralisierte Bildungssysteme würden zunehmend offenen, flexiblen Lernumgebungen, in denen individuelles und kollaboratives Lernen im Mittelpunkt steht.
Neugier und Kreativität als Kompetenzen der Zukunft
Weiters erläuterte Spindler den Megatrend «Sicherheit». Jeder Trend erzeuge einen Gegentrend, der dann in eine Synthese münde: Der Megatrend Sicherheit sei dynamisch und werde je nach individueller Lebensrealität unterschiedlich wahrgenommen. «Sicherheit umfasst sowohl das physische Überleben, finanzielle Stabilität, verlässliche Lieferketten, das Vertrauen in Institutionen als auch soziale Absicherung. Unabhängig von ihrer Ausprägung bleibt Sicherheit ein fundamentales menschliches Bedürfnis – und als Megatrend ein zentraler Treiber individueller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen weltweit», so Spindler.
Spindler betonte immer wieder mit Nachdruck, was die Megatrends konkret für die Schulen bedeuten. Da Wissen beispielsweise zu Gemeingut werde, würden Kompetenzen wie Neugier und Kreativität, Kritisches Denken, Kommunikation und Charakterbildung respektive ethische Urteilsfähigkeit stärkere Bedeutung erlangen. «Künstliche Intelligenz liefert uns das Was, wir sind aber für das Warum verantwortlich.»
Er warnte auch vor Linearität und Beschleunigungstendenzen im Bildungsbereich. «Lernen und Lehren braucht Phasen der Langsamkeit. Bildung bedeutet viel mehr als blosse Marktfähigkeit», so Spindler. Es gehe vielmehr darum, in Zeiten der «Multigrafien» Werte und Haltungen zu lernen. Bildungsverläufe sind nicht mehr linear. «Bildung und Lernen müssen daher homöopathisch auf ein ganzes Leben verteilt werden», sagte Spindler.




