Brandkatastrophe Crans Montana, zwei Tage danach

In der Bar "Constellation" passierte in der Silvesternacht die furchtbare Brandkatastrophe. Foto: SWR, Picture Alliance.

Auch nach dem 3. Tag nach der fürchterlichen Brandkatastrophe in Crans Montana (Wallis) mit 40 Toten und  mehr als einhundert, teils Schwerverletzten, sitzt der Schock immer noch sehr tief. In der Bar «Le Constellation», in welcher meist Jugendliche verkehren, kam es zu diesem Showdown. Viele Todesopfer konnten noch nicht identifiziert werden.

«Die Schweiz ist traurig, aber sie ist auch vereint im Schmerz», sag Bundespräsident Guy Parmelin bei einer Pressekonferenz gestern Abend und spricht von einer der schlimmsten Tragödien in der Geschichte des Landes.

„Das ist das Schlimmste“, sagt am Abend sichtlich bewegt und mit den Tränen kämpfend der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard im Sender RTS. „Das Schlimmste ist, dass es junge Menschen sind. Und wenn ich die Angehörigen treffe, dann sind das ihre Freunde, Brüder, die Eltern. Es ist schrecklich.“

Video soll Ausbruch des Feuers zeigen

Während Familien verzweifelt nach ihren vermissten Kindern suchen und die Schwerverletzten in Krankenhäusern versorgt werden, insbesondere den auf Brandverletzungen spezialisierten Unikliniken von Lausanne und Zürich, laufen in Crans-Montana Untersuchungen zur Ursache des verheerenden Brandes.

Mehrere Augenzeugen hatten von Wunderkerzen und kleinen Tischfeuerwerken auf Champagnerflaschen berichtet. Am Abend postete der französische Sender BFM auf X ein Foto, das angeblich den Moment des Feuerausbruchs zeigt. Darauf sind in der Menschenmenge mehrere Flaschen mit brennenden Wunderkerzen zu sehen, sowie erste Flammen an der Decke.

Nach den Augenzeugenberichten gefragt, verwies die zuständige Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, auf die laufenden Ermittlungen. Sie könne nichts bestätigen. Die genauen Umstände des Unglücks würden noch untersucht. Nach Angaben der Walliser Kantonsregierung war es in der Bar zu einem sogenannten Flashover gekommen: Ausgehend von einem kleinen Brand entzünden sich dabei alle brennbaren Oberflächen im Raum schlagartig.

Flashover

Die Brandschutz-Expertin Sandra Barz beschreibt das Phänomen Flashover im ARD-Brennpunkt so: Ein kleines Brandereignis gibt die Wärme an die Umgebung ab. Die Hitze sammelt sich unter der Decke des Raumes und kann in einem Kellerraum nicht abfließen. Der Wärmestau wird immer heißer und alle brennbaren Materialien in diesem Raum werden chemisch zersetzt und bilden Pyrolysegase. Beim richtigen Mischungsverhältnis und einer immer höher werdenden Temperatur entsteht eine Durchzündung, eine Feuerwalze, die alles gleichzeitig in Brand setzt, ohne dass es durch eine Flamme berührt wird. Es entsteht somit ein Selbstentzündungsmechanismus, der extrem und sehr schnell wirkt. Quelle: Kathrin Hondl, ARD Genf und Paula Kersten, SWR.

Legende: „Wunderkerzen sollen Feuer ausgelöst haben“, Paula Kersten, SWR, zzt. Crans-Montana, zur Brandkatastrophe in Bar. Foto:MM-