«Wir geben Kindern eine Zukunft»

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Mitglieder des Rotaryclubs Liechtenstein-Eschenberg

Wir stellen vor:

Magdalena Frommelt, Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorfs (Liechtenstein) e.V. und Rotary Club Liechtenstein-Governor 

 

Magdalena Frommelt hat im Juli als dritte Persönlichkeit aus Liechtenstein das Amt als Governor des Rotary International Distrikt 2000 übernommen. Damit ist sie auch eine der wenigen Frauen, die dieses Amt übernimmt. Als Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf (Liechtenstein) e.V. kümmert sie sich zudem um das Sammeln von Spenden für die Schwächsten unserer Gesellschaft.

Was bedeutet Ihnen das Amt des Distrikt Governors und was beinhaltet es?
Magdalena Frommelt: Als Distrikt Governor einer so grossen Service-Organisation wie Rotary International, die weltweit über 1,2 Mio. Mitglieder hat, bin ich ein Jahr lang für die ordentliche Geschäftsführung des Distriktes verantwortlich. In San Diego/USA sind wir weltweit 530 Governors in unser Amt eingeführt worden. Ich werde in meinem Amtsjahr alle 77 Clubs besuchen, Distriktskonferenzen und Fachseminare in Liechtenstein leiten und an vielen weiteren Anlässen von Rotary teilnehmen. Als Botschafterin von Rotary International ist natürlich auch die Kommunikation im Distrikt sehr wichtig. 

Können Sie das ausführen?
Der Governor ist Dreh- und Angelpunkt für die durchgängige Kommunikation auf allen Plattformen. Durch meine frühe Initiative auf Social Media sind wir jetzt absolut auf dem neuesten Stand. Ich möchte die Projektarbeiten der einzelnen Clubs im Distrikt so sichtbar wie möglich machen. Lokal, national und auch weltweit. Zum Beispiel leisteten die Rotarier im 2018 weltweit für 850 Mio. Dollar Freiwilligenarbeit (John Hopkins Universität). 

Wie kamen Sie zu diesem Amt?
Auf Empfehlung eines Clubmitgliedes meines Rotary Clubs wurde ich dem Ausschuss-Komitee vorgeschlagen. Es gab drei Kandidaturen im Distrikt 2000. Und hier bin ich jetzt. 

Weshalb wird dieses Amt so selten von Frauen ausgeübt?
Na ja, bei Rotary sind seit 1989 Frauen offiziell aufgenommen worden. Heute sind rund 25 % Frauen bei Rotary. Bei Rotary wird man für ein Amt vorgeschlagen, und dafür braucht man einen Mentor. 

Wie fühlen Sie sich in Ihrem Amt?
Es ist toll, in solch einer Organisation etwas bewegen zu können und sich für die Gesellschaft einzubringen. Die Begegnungen mit aussergewöhnlichen und interessanten Menschen sind sehr bereichernd und entschädigen mich für meinen Arbeitsausfall und Aufwand. Ich lerne sehr viele Projekte kennen, wie beispielsweise das Projekt von Rotarier Dr. Felix Keller zur Rettung des Morteratsch-Gletschers. Selbstverständlich werde ich ihn auch bei seinen Bemühungen unterstützen. 

Wie lange sind Sie schon Mitglied im Rotary Club und warum?
Ich bin seit 1998 Mitglied des Rotary Club Liechtenstein-Eschnerberg und damit auch Gründungsmitglied des Clubs. Es ist ein tolles internationales Business und persönliches Netzwerk. Bei jedem Club-Meeting gibt es Vorträge von interessanten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ich gehe jeden Freitag nach dem Meeting nach Hause und habe wieder etwas Neues gehört und dazugelernt.  

Sie waren fast 10 Jahre lang in der Geschäftsführung der Formatio tätig und sind jetzt die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf (Liechtenstein) e.V.?
Die Geschäftsführung von SOS-Kinderdorf (Liechtenstein) e.V. zu übernehmen, ist für mich eine Herzenssache. Wir kümmern uns um Sozialwaisen, also schwer traumatisierte Kinder, und geben ihnen ein sicheres Zuhause. Aber nicht nur ihnen, auch Jugendlichen. In Familienstärkungsprogrammen sind wir auch sehr aktiv, und das mit Projekten auf der ganzen Welt. Mit über 2700 Projekten geben wir Kindern eine Zukunft. Wir begleiten ein Kind im Durchschnitt 17 Jahre. Alle unsere Projekte sind also nachhaltig, und dafür werde ich mich einsetzen: Spenden zu sammeln für die Schwächsten in unserer Gesellschaft. 

Wenn Sie auf Ihre vergangenen Tätigkeiten zurückblicken, wo haben sie welche wertvollen Erfahrungen gesammelt?
Ich war in drei grossen Bereichen tätig: im öffentlichen Personenverkehr, im Bank- und Trustwesen sowie im sozialpädagogischen Bildungsbereich. In allen drei Bereichen war ich für die Unternehmensführung, Finanzen, Personal und Marketing sowie Kommunikation zuständig. Die wertvollste Erfahrung waren für mich die Menschen, denen ich begegnet bin. Ihre Persönlichkeiten, ihr Teamgeist und ihre Unterstützung während meiner CEO-Tätigkeit haben mich begeistert. Die Menschen sind das wichtigste Kapital einer Unternehmung. Dafür hat ein Leader Sorge zu tragen und als ein Vorbild zu wirken.

Sie haben 2 Kinder, waren aber schon früh als Geschäftsführerin tätig. Wie haben Sie Beruf und Familie vereinbaren können?
Wir Frauen sind Organisationstalente. Ich hatte eine Nanny angestellt und die Unterstützung meiner Mutter gehabt. Meine Kinder sind früh zur Selbstständigkeit und Mitarbeit in allen Belangen erzogen worden. Nur so war es möglich, gemeinsame Zeit, tolle Wochenenden und einen schönen Urlaub zu verbringen. 

Was, denken Sie, braucht es, um als Frau eine erfolgreiche Unternehmerin zu sein?
Erfolgreich zu sein, ist keine Gender-Frage, sondern eine Frage der Persönlichkeit. Für Leadership braucht es Liebe für die Menschen («MMMM: man muss Menschen mögen»), Vorbildfunktion und Authentizität. Und wahrscheinlich ein Quäntchen Leidenschaft fürs Business und die Branche, in der man tätig ist. 

Sind Sie auch Hindernissen begegnet, denen Ihrer Meinung nach ein Mann nicht begegnet wäre?
Na ja, uns Frauen fehlt ein bisschen das Netzwerk untereinander und das Mentoring. Wir sind im «Mannschaftssport» noch nicht so trainiert wie die Männer. Aber das kommt. Für die Generation meiner Töchter wird es hoffentlich leichter werden. 

Was machen Sie als Ausgleich zu Ihrer Geschäftstätigkeit?
In meiner Freizeit liebe ich es zu lesen, zu wandern und zu reisen. 

Sie sind letztes Jahr rund 100’000 Kilometer alleine um die Welt gereist. Wie haben Sie das erlebt?
Ich habe meine eigenen Grenzen gesucht und bin über die Grenze hinausgegangen. Australien, Neuseeland, Cook Islands und Amerika. Als ich zurückkam, hatte ich quasi einen Kulturschock. Wenn man sieht, was in Ländern wie Australien für Probleme mit der Wasserknappheit, Trockenheit und Dürre herrschen und das mit unserem Land vergleicht, sind die Probleme hier relativ klein. Wir haben eine grosse Verantwortung, zu diesem Land Sorge zu tragen, damit die Generation unserer Kinder hier weiterleben kann und nicht auswandern muss.

Was sind Ihre Pläne für die nächsten Jahre?
Meine Töchter sind erwachsen, und deshalb möchte ich mich für die Gesellschaft engagieren und meine Erfahrungen und mein Können in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Die Zeit, in der wir leben, ist bemessen, und diese Dinge geben mir Inhalt und Sinn. 

Magdalena Frommelt (rechts) mit den beiden Töchtern Julia und Gloria.

KURZ GEFRAGT

Wie starten Sie in den Tag?
Mit einer fein duftenden Tasse Demmel-Kaffee! 

Was schätzen Sie an Ihrer Wohngemeinde?
Die Entwicklung der Gemeinde Schaan der letzten Jahre unter unserem Vorsteher Daniel Hilti. Er und der Gemeinderat haben Schaan zu einem Dorf mit sehr hoher Lebensqualität gemacht. Schaan strahlt nach aussen ein modernes, aktives, ökologisches Image aus. Ich lebe sehr gerne in Schaan.

Welches ist Ihr liebster Ort in Liechtenstein?
Der Rhein. Er hat so etwas Beruhigendes und Majestätisches an sich.

Welches Buch liegt derzeit auf Ihrem Nachttisch?
Sebastian Fitzek: Fische, die auf Bäume klettern (ein Kompass für das grosse Abenteuer namens Leben). 

Ein Lieblingszitat?
Einstein sagte einmal: «Jeder ist ein Genie! Aber wenn du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben lang glauben, dass er dumm ist.»

Ein Reiseziel, das Sie noch interessieren würde?
Die nordischen Länder wie Norwegen, Finnland und Schweden. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir für uns und die kommenden Generationen, dass es uns weiterhin so gut geht und wir uneigennützige, mutige und vorausschauende Politiker haben, die das Land in die Zukunft führen.