«Aus einem Hobby wird Leidenschaft, aus Leidenschaft ein Traum, aus dem Traum unser ambitioniertes Projekt – die Weltumsegelung mit der SY Yemayá», schreiben der Liechtensteiner Dominique Marxer (28) und seine Freundin Maja Sánchez Ruiz (32) aus Zürich. Im Herbst 2018 wollen sie an der Côte d’Azur für zwei Jahre in See stechen, davor gibt es noch viel zu tun.

Von Tamara Beck

 

Erst im Dezember 2015 haben sich Dominique und Maja kennengelernt, am anderen Ende der Welt, in Australien. Und schon damals wagten sie spontan eine gemeinsame Reise mit dem Auto. Dass der Betriebswirtschafter und die Filmwissenschaftlerin, die als Produktionsleiterin in der Schweizer Spielfilmbranche tätig ist, nun sogar eine gemeinsame Weltumsegelung planen – 31‘000 Seemeilen (57‘536 km), herausfordernde Stürme und Flauten, viele interessante Kulturen und einsame Südseeinseln klingt mutig. Beide segeln seit Kindesbeinen an, angesteckt von ihren Vätern. Für Dominique war eine Weltumsegelung immer ein Traum. Während er heute noch regelmässig segelt – auf dem Bodensee, aber auch auf verschiedenen Meeren – kam es bei Maja, bis sie Dominique kennen lernte, eher zu kurz.

Das Paar hat sich nun eine gemeinsame Segelyacht gekauft, mit dem malerischen Namen «SY Yemayá». Namensgeberin ist eine in der Religion der Yoruba, der kubanischen Santeria und der brasilianischen Candomblé bekannte Schutzgöttin der Seefahrer und Göttin der Meere.

 

 

9m2 für zwei Personen
Bei der Yacht handelt es sich um eine Laurin Koster L32, Baujahr 1964, aus Schweden, Länge ohne/mit Bugkorb 9,81m/11m. Sie wurde dazumal für Hochseeregatten konzipiert und ist ein entsprechend hochseetaugliches und sportliches Segelboot. Sie verfügt über eine kleine Pantry (Küche), einen Sitzbereich mit Navigationstisch, zwei Einzelkojen, eine Doppelkoje im Bug und eine Toilette, alles in allem etwa 9m2 Wohnfläche. «Es ist eine grosse Herausforderung, so lange auf so engem Raum zu leben, und niemand kann vorhersagen, was alles geschehen wird. Aber wir sind sehr zuversichtlich, weil wir in uns gegenseitig den Partner gefunden haben, dem wir voll vertrauen in allen Belangen, ansonsten würde es nicht gehen», erzählen die beiden. Es gelte nicht nur zu lernen, wie man mit Streitsituationen umgeht, wenn man nicht einfach davonlaufen kann, sondern «man muss sich auch einfach mal stundenlang anschweigen können, denn wir werden 2x 365 Tage à 24h zusammen verbringen» – eine grössere Belastungsprobe gibt es wohl kaum für ein noch so junges Paar, und man darf gespannt sein, wie die beiden dies meistern werden.

«Relativ bald, nachdem wir entschieden haben, dass wir dieses Abenteuer zusammen antreten, kam die Idee, aus der Weltumsegelung einen Dokumentarfilm zu machen, da Maja die Berufserfahrung in diesem Bereich mitbringt. Wir arbeiten zurzeit am Konzept und werden uns in Kürze um Sponsoren kümmern», berichtet Dominique. «Die zwei Jahre Vorbereitung benötigen wir zum einen, um mit Arbeiten weiteres Geld zu sparen, das wir während den zwei Jahren Weltumsegelung benötigen, um uns ernähren und um die SY Yemayá unterhalten zu können», erklärt er. «Zum anderen müssen wir uns natürlich in dieser Zeit auch weiteres Fachwissen aneignen und unser Segelboot für kommende Strapazen vorbereiten. Maja muss z.B. noch die Prüfung zum Hochseeschein absolvieren, Starkwind-Segeltraining im Winter in England ist geplant, wir müssen medizinische Grundkenntnisse wie Wunden nähen, Bruch schienen etc. erlernen und uns mental und physisch auf die Weltumrundung vorbereiten.» Des Weiteren müssen die beiden Segler genaue Recherchearbeiten zu den einzelnen Regionen durchführen, wie z.B. über die vorherrschenden Wetter- und Windbedingungen, Strömungen, navigatorischen Besonderheiten, Piraterie-Aufkommen usw. «Und natürlich werden wir den Austausch suchen mit Hochseeseglern, die Ähnliches schon gemacht haben, um auf deren Erfahrungen aufbauen zu können. Und so weiter und so weiter… unsere Pendenzenliste ist lang – sehr lang», so Dominique.

Ein Restrisiko bleibt
Vor dem Start werden die beiden auch sämtliche Notfallszenarien, z.B. Defekte, Krankheiten/Verletzungen, Stürme, Kentern, Benutzung der Rettungsinsel durchdenken, um für alles Mögliche und Unvorhergesehene Lösungen bereit zu haben. «Von einem erfahrenen Skipper wurde uns zum Beispiel empfohlen, dass wir uns von einem befreundeten Arzt an Schweinehaut das Nähen von Wunden beibringen lassen sollen. Das klingt im ersten Moment absurd, aber es ist grundlegendes Wissen, wenn man mehrere Tage oder sogar Wochen und tausende von Kilometern von der nächsten medizinischen Hilfe entfernt ist», erzählt Dominique. Ein besonders wichtiger Aspekt sei auch die Sicherheit an Deck, weil sie grundsätzlich immer Schichtbetrieb haben werden, d.h. eine Person sitzt am Ruder und die andere Person schläft. So benötige man zum Beispiel für das Risiko «Mann über Bord» ein Alarmsystem, bei dem die Person, die schläft, geweckt wird, wenn die andere Person über Bord geht und sich nicht mehr bemerkbar machen kann. Maja: «Dementsprechend: Ja, wir werden für die meisten möglichen Szenarien gewappnet sein, alles andere wäre fahrlässig und könnte dramatische Folgen haben. Es gibt aber immer unvorhergesehene Situationen, auf die man sich nicht vorbereiten kann.» Ein Restrisiko bleibt also. Die erste Reaktion aus dem Umfeld bestehe dennoch fast ausschliesslich aus Bewunderung, als nächstes folge jedoch immer gleich die Angst vor dem Gefährlichen und Unbekannten. Aber auch Reaktionen wie «ihr spinnt!» kommen laut Dominique und Maja des öfteren vor: «Trotzdem, unser Umfeld unterstützt uns sehr, auch wenn es manchmal lieber nicht zu genau darüber nachdenken will, was alles geschehen könnte. Wir sind ja nicht «ab von der Welt» und dank den modernen Kommunikationsmitteln wird es möglich sein, ab und an in Kontakt zu bleiben.» Sofern es das Budget zulässt, wird es dazu an Bord ein Satellitentelefon geben.

Die Weltumsegelung online mitverfolgen
Die Versorgung der Onlinekanäle wird jeweils an Land geschehen – im Hafen oder über ein Internetcafé. «Es ist uns ein grosses Anliegen, die Leute an unseren Abenteuern teilhaben zu lassen. Man kann via Vlog und Blog auf Facebook und der Website sy-yemaya.com mit uns mitreisen», so Maja. «Dank mehreren auf dem Boot installierten Kameras und einer Handkamera werden wir spektakuläre Bilder zeigen können.» Für die Überquerungen der drei Ozeane (Atlantischer, Pazifischer, Indischer), die je nach Wind und Wetter zwischen 3 bis 5 Wochen und mehr dauern, müssen Maja und Dominique sich mit genügend Lebensmitteln, Wasser und natürlich auch Medikamenten eindecken. «Um unseren Speiseplan aufzupeppen, werden wir zwischendurch auch fischen – mit der Angel und tauchend mit der Harpune», so Dominique.

Die Dauer und Orte der Landgänge hängen einerseits von Wetterfenstern ab, die abgewartet werden müssen, damit man weitersegeln kann (Hurrikan-Saison im Atlantik, Taifun-Saison im Pazifik). Andererseits erzwingt der Bedarf an Lebensmitteln etc. immer wieder Landgänge, und natürlich will das Segelpaar auf seiner Reise auch das Festland entdecken. Gerade in Inselregionen wie der Karibik oder den südpazifischen Inseln werde dies spontan geschehen.

 

 

Gebiete wegen kriminellen Banden meiden
Es gibt mehrere Gebiete auf den Weltmeeren, deren Beseglung aus Sicherheitsgründen eher nicht zu empfehlen ist. So zum Beispiel die Küste vor Venezuela wegen Drogenhandel und Überfällen, die Küsten/Inselregionen rund um Malaysia/Indonesien wegen Piraterie oder auch rund um das Horn von Afrika (Somalia). «Bei letzterem haben wir die Wahl zwischen der Umsegelung des Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) mit schwierigen Wetterbedingungen sowie langer Zeit auf offener See ohne Landgang, und dem Suezkanal, welcher vom Roten Meer ins Mittelmeer führt, mit sehr hohem Piraterie-Aufkommen. Wir haben uns für das stürmische Kap entschieden», erklärt Dominique.

Sponsorensuche für den Film
Das junge Paar musste schon viel sparen für den Kauf der «SY Yemayá», und beide werden während den nächsten zwei Jahren hart arbeiten, um den Lebens- und Bootsunterhalt finanzieren zu können. «Wir versuchen, zu gegebenem Zeitpunkt auch Sponsoren in Liechtenstein und in der Schweiz zu gewinnen, gerade auch in Bezug auf unser Filmprojekt», so Maja. Entsprechend werden sie die Zeit nach der Rückkehr für die Postproduktion und Vermarktung des Filmes nutzen. Das wird den beiden sicher ein Stück weit erleichtern, in den Alltag zurückzufinden. «Wir sind beide offen für Veränderungen des bisherigen Lebens – wenn man zwei Jahre die Welt bereist, verändert sich die Sicht auf viele Dinge. Und wer weiss, vielleicht können wir ohne Segeln nicht mehr leben und bieten nautische Ausbildungstörns an», so Dominique.


Wer das rund zwei Jahre dauernde Abenteuer von Maja und Dominique verfolgen will,
kann dies auf ihrer Facebook-Seite www.facebook.com/syyemaya und ihrer Website www.sy-yemaya.com tun.


 

 

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