Peter Goller LLB zu den Folgen des BREXIT

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Grossbritannien hat mit dem Referendum die EU verlassen. Welche Auswirkungen hat der BREXIT. Dieser Frage ist Peter Goller, Chefökonom der LLB-Gruppe nachgegangen.

 

Die britischen Wähler haben sich für einen Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft entschieden. Souveränitätsängste und rechtsstaatliche Bedenken haben offensichtlich schwerer gewogen als die zu erwartenden ökonomischen Nachteile. An den Finanzmärkten werden letztere eskomptiert, wie die Kursverluste auf dem Aktienmarkt und die Schwäche des Pfunds zeigen.

  1. Die wirtschaftlichen Folgen

Ob es aufgrund des Ausgangs der Volksabstimmung in Grossbritannien zur befürchteten Anpassungsrezession kommt, hängt von der Reaktion der Kapitalströme ab. Ein starker Rückgang der Kapitalimporte würde zweifellos zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung führen.

Der EU-Austritt wird mittel- bis langfristig in Grossbritannien zu Wachstumsverlusten führen. Diese dürften im Bereich von 3 % bis 5 % liegen.

Das Ergebnis der Volksabstimmung hat aber auch für die Eurozone negative wirtschaftliche Konsequenzen. Die Wachstumsverluste dürften nur rund 1 % betragen.

  1. Die politischen Folgen

Mit dem Austritt Grossbritanniens werden die konstitutionellen Mängel der EU-Verfassung nicht behoben, welche die EU politisch lähmen und ihre Akzeptanz in der Bevölkerung schwächen. Ausserdem werden sich die Gewichte innerhalb der Gemeinschaft von marktorientierten in Richtung etatistischer Mitglieder verschieben. Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass es in Zukunft weniger Interessenskonflikte zwischen EU-Mitgliedern und EU-Kommission geben wird. Dies spielt den europakritischen Parteien in die Hände.

  1. Anlagepolitische Schlussfolgerungen

3.1. Pfund Sterling

Die Erwartung, dass eine Währung langfristig zur Kaufkraftparität tendiert, ist empirisch gut abgesichert. Märkte neigen darüber hinaus zu übertriebenen Kursreaktionen. Aus diesem Grund sehen wir gegenüber dem Euro Kursniveaus von GBP 0.85 bis GBP 0.90 als Einstiegsgelegenheiten an.

Gegenüber dem US-Dollar ist ein Rückschlag auf USD 1.30 nicht auszuschliessen, was dann ein Einstiegsniveau wäre. Gegenüber dem Schweizer Franken ist die Marke von CHF 1.30 entscheidend, sollte sie durchbrochen werden, droht ein Rückgang auf CHF 1.25 pro GBP.

3.2. Euro

Der BREXIT schwächt auch den Euro. Auf eine Verbilligung des Euro auf CHF 1.04 wird die Schweizerische Nationalbank unseres Erachtens mit Interventionen auf dem Devisenmarkt und bei Bedarf auch mit geldpolitischen Massnahmen reagieren, um den Höhenflug des Schweizer Frankens zu stoppen. Wir gehen davon aus, dass die Nationalbank erfolgreich sein wird und empfehlen deshalb den Euro bei oder unter CHF 1.04 für Schweizer-Franken-Anleger zum Kauf.

3.3. Staatsanleihen

Das Risiko einer Anpassungsrezession erhöht sich durch die jüngsten Turbulenzen auf den Finanz-märkten. Davon haben vor allem die Staatsanleihen profitiert. Wir empfehlen in diesem Fall, die erzielten Gewinne zumindest teilweise zu realisieren.

3.4. Aktienmarkt

Ein Kurseinbruch von deutlich über 10 Prozent ist aus fundamentalen Gründen nicht gerechtfertigt. Kursniveaus von unter 5500 Punkten im FTSE 100 bzw. unter 300 Punkten im STOXX 600 sind unseres Erachtens attraktive Einstiegspunkte. Investoren sollten dabei jene Branchen favorisieren, die von der Pfundschwäche profitieren. Bei UK-Banken raten wir zu einer Untergewichtung.

 

 

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