Krankenversicherungsgesetz (KVG) – Revision für Dummies

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Pio Schurti, DU-Abgeordneter zur KVG-Revision. Bild: Daniel Ospelt

 

Gehörst Du auch zu denen, die erst vor ein paar Wochen, als die Abkürzung KVG täglich immer häufiger in den Zeitungen aufzuscheinen begann, zum ersten Mal nachgeschaut haben, wie sie überhaupt versichert sind? Oder bist Du einer von denen, die weder wissen, was im Laden ein Liter Milch kostet noch wie hoch ihre monatliche Krankenkassenprämie ist?   Text: Pio Schurti, Landtagsabgeordneter der Unabhängigen.

Ja, dann gehörst Du wohl zu den vielen, denen das KVG eigentlich am «Allerwertesten» vorbei geht. Deshalb hast Du auch gar nicht vor, an der Abstimmung zur KVG-Revision teilzunehmen.

In die Krankenkasse wächst man sozusagen hinein, ohne dass man sich darum kümmern müsste. Erst mit 18 bekommt man einen Brief von der Krankenkasse, ob man die monatliche Prämie künftig selber bezahle oder ob man weiterhin auf der Rechnung der Eltern abgerechnet werden dürfe. In dem Alter steckt man noch in der Ausbildung und wohl den meisten bezahlen weiterhin die Eltern für die Krankenkasse. Mitte 20 ist es dann soweit, wir sind inzwischen ins Berufsleben eingestiegen, haben vielleicht schon eine eigene Wohnung und die Krankenkassenprämie wird im Kollektiv des Arbeitgebers automatisch mit dem Lohn abgerechnet. Im Gymnasium haben wir vielleicht einen Flyer der Krankenkasse gesehen, auf dem stand, dass sie uns einen Rabatt oder Bonus oder so etwas geben, wenn wir nachweisen, dass wir regelmässig Sport treiben. Das entsprechende Formular auszufüllen haben wir dann aber doch vergessen. Wir sind ja eh gesund und haben keinen Anlass, uns mit der Krankenkasse zu beschäftigen.

Ich habe in den letzten Wochen festgestellt, dass es relativ vielen Leuten so geht. Dies ist verständlich. Jetzt ist aber die Zeit gekommen, sich mit der Krankenkasse zu befassen, und zwar nicht nur mit der eigenen, sondern grundsätzlich. Wir sind aufgerufen, am kommenden Sonntag, den 13. Dezember über die so genannte KVG-Revision abzustimmen und damit über die künftige Ausrichtung unseres Krankenversicherungssystems zu entscheiden.

Jahrelang haben sich die Politiker-/Innen um eine Überarbeitung des KGV gestritten. Doch der endlose politische Ping-Pong blieb unentschieden. Gleichzeitig haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Krankenkassenprämien nahezu verdoppelt. Diese Entwicklung musste gestoppt werden. Unsere Krankenversicherung muss bezahlbar bleiben.

Gründe des Anstiegs der Gesundheitskosten

Die Gesundheitskosten steigen im Wesentlichen aus folgenden Gründen:

Der medizinische Fortschritt beschert uns immer bessere, in der Regel aber auch teurere Behandlungsmethoden, auch für bis anhin unheilbare Krankheiten. Wir werden immer älter. Dieser Umstand, so brutal es tönt, hat seinen Preis. Die grössten Gesundheitskosten fallen in den letzten Lebensjahren an.

Wir Liechtensteiner nutzen unser hervorragendes Gesundheitssystem ausgiebig. Wir gehen im Schnitt etwa zweimal so oft zum Arzt wie z.B. unsere Nachbarn im Kanton St. Gallen.

Unser bisheriges Gesundheitssystem ermöglichte es den so genannten Leistungserbringern (Ärzten, Therapeuten, etc.) völlig legal, aber nahezu unkontrolliert, «Höchstleistungen» abzurechnen. Welcher arbeitende Mensch kann schon 8‘000 Jahresarbeitsstunden abrechnen, ohne dass jemand nachzählt, ob es im Jahr überhaupt genügend Tage gibt für so ein Arbeitspensum?

Wo setzten Regierung und Landtag die Hebel an, um die Kostensteigerung einzubremsen? Dort wo es möglich ist: Niemand will den medizinischen Fortschritt bremsen oder das Älterwerden verhindern. Angesetzt werden musste logischerweise bei den «Mengen». Das heisst, wir alle sollten mehr Verantwortung übernehmen, wie oft wir unser Gesundheitssystem überhaupt in Anspruch nehmen, und der Staat muss die Abrechnungen der Leistungserbringer wirksamer kontrollieren.

Die wichtigsten Änderungen

Diese Überlegungen führten zu zahlreichen kleinen und grösseren Änderungen im KVG. Dies sind die wichtigsten:

Es wurde die Möglichkeit geschaffen, dass jeder und jede mehr Eigenverantwortung übernimmt und sich in höherem Mass an seinen eigenen Gesundheitskosten beteiligt. Wer eine hohe Franchise wählt, d.h. bereit ist, z.B. die ersten 3‘000 Franken, die in einem Jahr an Gesundheitskosten anfallen, selber zu tragen, bezahlt im Gegenzug eine geringere monatliche Prämie.

Mit der Einführung des Schweizerischen Tarifsystems TARMED wird auf der Seite der Leistungserbringer für Vergleichbarkeit und mehr Transparenz gesorgt. Es wird leichter, die Abrechnungen der Ärzte zu prüfen und somit unnötige Kosten und so genannte «Überarztung» einzudämmen.

Hier ist kein Platz mehr, auf weitere Details der KVG-Revision einzugehen. Ich möchte einfach noch all jene, die bisher nicht die Absicht hatten, an der Abstimmung teilzunehmen, ermuntern, sich mit der trockenen Materie zu befassen und doch noch ihre Stimme abzugeben.

Die vom Landtag verabschiedete KVG-Revision ist ein guter Kompromiss, der das bisherige «Unentschieden» endlich überwinden kann.  Ich empfehle und hoffe auf ein klares JA!

 

 

 

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